Wer wohnt denn da? - Kolumne von Meike Winnemuth Warum verschleppen Männer Bücher auf die Toilette?

Entwaffnend schön findet unsere Kolumnistin dieses Haus mit seiner Mischung aus grob und fein. Wäre nur die Toilette nicht eingerichtet wie eine behagliche Bibliothek. Lesen auf dem Klo ist eine Unsitte – und typisch männlich, behauptet sie. Und vermutet hier einen angelsächsischen Gentleman im gesetzten Alter.

Eine GfK-Umfrage aus dem März dieses Jahres ermittelte, dass jeder zweite Mann dieser Unsitte nachgeht. Überhaupt, was ist das mit Männern und Toiletten? Irgendwo las ich mal, dass Prinz Charles mit seiner eigenen Mahagoni-Klobrille reist, die ihm sein Diener auf jede fremde Schüssel schraubt. Das habe ich sofort geglaubt. Männer sind nämlich so – und Prinzen erst recht.

Es wird auch nicht besser, wenn man das Örtchen mit Stil einrichtet. In unserem Fall umgibt sich der Besitzer (ha: Besitzer!) mit edlen Stichen antiker Säulen und seidengefältelten Lampen, die Lektüre dreht sich schamhaft mit dem Rücken zur Wand. Auch so eine Marotte: In designgetriebenen Haushalten sieht man das öfter, dass aus optischen Gründen die Seiten nach vorn zeigen. Das mag bei 20 Büchern auf dem Klo noch funktionieren – man hat ja sonst nichts zu tun –, aber sonst?

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Autor:
Meike Winnemuth
Fotograf:
Christoph Theurer