Maximale Transparenz Inmitten wilder Vegetation

Strand und Meer gibt es doch überall auf der Welt, fand der Architekt Arthur Casas. Er schuf sich seinen Rückzugsort mitten im brasilianischen Regenwald: ein Haus, das mit maximaler Transparenz und Reduktion zur Bühne für die Natur wird.

Papageien umschwirren schimpfend das Haus, und zwischen all dem Grün ringsum wachsen leuchtend rote Blumen. „Ich wollte ja kein neues Ambiente schaffen. Ich wollte, dass sich das Haus in die Landschaft einfügt“, sagt Arthur Casas. Das Haus wirkt durch seine transparente Mitte durchlässig, auch der Teakholzboden im Wohnbereich setzt sich auf der Terrasse mit der Outdoor-Küche und auf dem Pooldeck fort. Und die Holzverkleidung der Seitenflügel, in denen unten die Küche und das Arbeitszimmer, darüber die Schlafräume liegen, verschmilzt geradezu mit der wilden Vegetation.

„Hier ankommen heißt zuerst den Ausblick genießen“, sagt Arthur Casas – und dann: Weinflasche auf, Beine hochlegen, am liebsten auf dem weißen Sofa, das er selbst entworfen hat, den Beamer an, einen Film gucken. Und dabei die Schönheit des Wohnzimmers auf sich wirken lassen. Den hängenden Kamin, die Treppe, die frei nach oben schwebt, dorthin, wo ein weißer Laufsteg das Schlafzimmer der Eltern auf der einen Seite mit den Kinderzimmern auf der anderen verbindet. Alles fügt sich harmonisch zueinander: der braune Sessel von Martin Eisler aus den Sechzigerjahren, der schon seiner Großmutter gehört hat, die weiße Lampe von der schwedischen Designerin Camilla Diedrich über dem Esstisch, ein Stuhl vom Flohmarkt in New York, ein Tisch von einem einheimischen Handwerker, mitgebracht aus dem Urlaub im Norden Brasiliens, die Kunstgegenstände von seinen Reisen nach Peru, Chile, Marokko, Südafrika. Auf einem Sideboard daneben liegen acht Hüte, weiß, grau, beige, einer mit rosafarbener Schärpe. Eine Sammelleidenschaft. „Aber aufsetzen?“ Er schüttelt beinahe entsetzt den Kopf. „Nein!“, ruft er. „Na ja, manchmal“, fügt er hinzu. „Obwohl es mir eigentlich zu prätentiös ist.“ Außerdem finden Brasilianer Männer mit Hüten sehr komisch. „Und ich falle ja ungern auf.“

Schlagworte:
Autor:
Franz Lenze
Fotograf:
Richard Powers