Multiple-Kunstobjekte in limitierter Auflage Pierre-Alain Challier

Der Pariser Galerist Pierre-Alain Challier handelt mit Multiples-Kunstobjekten in limitierter Auflage. doch in seinem Wohnatelier wirken sie alle einzigartig.

Pierre-Alain Challier, 31, schmale Gestalt, breite Bildung, perfekte Manieren, verkauft Multiples. Er ist damit zum „Petit Prince“ der elitären Pariser Kunstszene geworden, wie ihn ein Magazin nannte. Nach dem Studium der Kunstgeschichte an der École du Louvre und dem Institut Supérieure des Arts sowie der Arbeit bei ein paar Galerien wurde er mit gerade 24 Jahren Artdirector des legendären Pariser Kunsthauses Artcurial. Dort hatte man 1975 das „Prinzip des multiplen Originals“ entwickelt. „So sollte einem breiteren Publikum ermöglicht werden, Werke von hochklassigen, zeitgenössischen Künstlern zu einem angemessenen Preis zu erwerben“, erklärt Challier. Man Ray, Sonia Delaunay oder Arman gehören zu den über 80 Künstlern, die für Artcurial in 34 Jahren in limitierten Auflagen von 25 bis 250 Stück Bilder, Fotografien oder Skulpturen schufen, statt der sonst üblichen acht. „Ohne qualitativ minderwertiger zu arbeiten“, sagt der Galerist und hebt kurz die Stimme, sodass man ahnt, welche Leidenschaft sich hinter dem sachlichen Auftreten verbirgt.

Er hatte schlaflose Nächte, als die Artcurial-Edition mitsamt ihrem Kunstfundus 2006 aufgelöst werden sollte, weil das Haus sich auf Auktionen und Kunstbücher konzentrierte: „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Geschichte zu Ende sein sollte. Auch die Künstler wollten die Zusammenarbeit fortsetzen.“ Es gelang ihm, das Geld aufzutreiben, um den Fundus aufzukaufen. Er entdeckte die Räumlichkeiten im Marais und auch gleich den Architekten, der sie umbauen konnte: Christophe Pillet. Der inszenierte das Erdgeschoss als „schwarze Box“, in der die Kunst mit Lichtspots in Szene gesetzt wird. In den oberen Stockwerken beließ er es bei Naturlicht und weißen Wänden. Hier arbeitet Pierre-Alain Challier seit 2007 mit zwei Assistentinnen – und hier lebt er auch. Direkt an die Galerie grenzt seine kleine Wohnung, in der sich das Kunstuniversum nahezu nahtlos fortsetzt in einem Mix aus modernen Objekten und antiken Möbeln.

Schlagworte:
Autor:
Sabine Howe
Fotograf:
Stephan Abry