Multiple-Kunstobjekte in limitierter Auflage Die Familie

Der Pariser Galerist Pierre-Alain Challier handelt mit Multiples-Kunstobjekten in limitierter Auflage. doch in seinem Wohnatelier wirken sie alle einzigartig.

Ein Louis-XV.-Sessel ist zu einer Lampe von Tom Dixon platziert, ein japanischer Paravent neben einer Christus-Interpretation von François Rousseau. „Eigentlich träume ich von einem minimalistisch weißen Kokon – mit weißen Wänden und einem weißen Kanapee, auf dem ich sitze und lese“, sagt Alain Challier und lacht. „Aber so zu wohnen schaffe ich einfach nicht!“ Stattdessen holt er ein Objekt und ein Möbelstück nach dem anderen aus dem Lagerraum. Das englische Ledersofa aus dem 19. Jahrhundert musste sogar über das Fenster in den ersten Stock gehievt werden, weil es nicht durch den engen Flur passte. „Es ist etwas überdimensioniert, aber ich mag es gern bequem.“ Sogar seinen Esstisch arrangiert er für seine Gäste kunstvoll: Tafelgeschirr von Giacomo Balla, Figurinen von Man Ray und die Köpfe „Cyclades“ aus Marmor von Cocteau, aus den Anfängen von Artcurial. „Der eine muss Fußball spielen, der andere singen. Ich bin eben kunstbegeistert“, sagt Challier. Die Faszination begann schon in seiner Kindheit, obwohl sein Heimatdorf Ribaute-les- Tavernes in der Provence nur gut 1300 Einwohner hat und seine Familie dort seit fünf Generationen die Schlachterei besitzt.

Doch seine Eltern haben seine Neugier stets gefördert, und zudem hatte er eine „sehr aufgeschlossene Großmutter“. Einer ihrer Freunde war Pierre-André Benoît, ein Buchillustrator und Drucker. Er hatte mit Picasso, Braque und Picabia gearbeitet und bibliophile Schätze besessen, in denen der junge Pierre-Alain stundenlang schmökerte. Wann immer er kann, fährt Challier heute in seinen Heimatort, wo er das alte Pfarrhaus gekauft hat, und gärtnert an den Wochenenden. „Nichts tut mir so gut, wie die Hände in Erde zu stecken. Das bringt mich zur Einfachheit des Seins zurück.“ Danach kehrt er „moralisch gestärkt“, mit einem Korb hausgemachter Wurst, Pasteten und frischem Gemüse zurück nach Paris. Das Pendeln zwischen den beiden Welten mag erklären, warum es dem Galeristen so ernst ist mit der Demokratisierung der Kunst.

Das erscheint mutig in einer Zeit, in der Spekulanten den Kunstmarkt bestimmen. Doch die Finanzkrise sorge dafür, dass die traditionellen Sammler, die etwas von Kunst verstehen, wieder die Preise bestimmten, glaubt er. Auch wenn die trotzdem manchmal maßlos sind: Als kürzlich die Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé für 373,5 Millionen Euro versteigert wurde, war unter den Losen auch eine Karpfen-Skulptur aus Harz und Blattgold, die François-Xavier Lalanne für Artcurial 250-mal gefertigt hatte. Sie erzielte 120 000 Euro. „Vor sieben Jahren kostete das Stück 2500 Euro, und wir taten uns schwer, alle zu verkaufen.“   

Schlagworte:
Autor:
Sabine Howe
Fotograf:
Stephan Abry