Der Architekt Rudy Ricciotti restaurierte ein baufälliges Gehöft Renovieren

Verdoppeln statt abreißen: Der Architekt Rudy Ricciotti ließ ein baufälliges Gehöft in der Normandie restaurieren – und spiegelte das ganze Gebäude in einem Anbau aus Stahl und Glas. Das spektakuläre Ergebnis ist fast 52 Meter lang.
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Renovieren wollte er eigentlich nicht, betont Jean-Pierre Lanctuit, sondern modern bauen, mit allen technischen Raffinessen! Aber die Freundin hatte den Architekten schon im Auge, dem sie den Spagat zwischen Alt und Neu zutraute: Rudy Ricciotti. „Der galt als schwierig, aber ebenso begabt“, sagt der Bauherr. „Unser erstes Treffen war Kismet – Schicksal. Als ich dann seinen Plan sah, wusste ich, dass ich dieses Haus bauen musste.“ Das 25 Meter lange, sechs Meter breite und bis in den First sieben Meter hohe Farmhaus sollte nach traditioneller Bauweise restauriert werden. Eine Sensation aber war die Erweiterung: An seiner Giebelfront zum Garten würde der Altbau komplett geöffnet und als Glas- und Stahlkonstruktion symmetrisch gespiegelt werden – ein weiter, lichtdurchfluteter Loft für den Salon und einen offenen Kochbereich. Im Keller darunter sollte ein Fitnessraum und die Haustechnik ihren Platz finden.

„In der Theorie ein Traum! Aber die Ausführung war ein Desaster“, sagt Lanctuit. Rudy Ricciotti konnte aus Termingründen nur Idee und Plan liefern, und so engagierte der Bauherr Architekten vor Ort. Doch nichts klappte. Als er aufgeben wollte, bot ihm Ricciotti Anfang 2005 an, die Bauruine zu retten. Fast zwei Jahre dauert die Fertigstellung. Im vorderen, der Straße zugewandten Teil des Altbaus wurden im Erdgeschoss eine Garage, Haushaltsräume und Gästezimmer eingerichtet, unter dem Dach das Schlafzimmer. Dahinter – und zum Glasanbau komplett geöffnet – befindet sich das Entree, in dem der Renault Alpine seinen großen Auftritt hat. Hier bleibt das Eichengebälk des alten Gebäudes bis in den Dachfirst sichtbar.

Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Gary Gunderson