Der Architekt Rudy Ricciotti restaurierte ein baufälliges Gehöft Restaurierung

Verdoppeln statt abreißen: Der Architekt Rudy Ricciotti ließ ein baufälliges Gehöft in der Normandie restaurieren – und spiegelte das ganze Gebäude in einem Anbau aus Stahl und Glas. Das spektakuläre Ergebnis ist fast 52 Meter lang.
Restaurierung

„Die Noblesse des Armen“ nennt Ricciotti die Restaurierung mit einfachen, traditionellen Baumaterialien. Denn neben Holz verwendet er nur Naturstein, Stahl, Zement und Kalk. Wenn das Gebälk beleuchtet ist, bietet es eine fast sakrale Hülle für den Rennwagen. Ein Holzsteg verbindet hier Neubau und Schlafzimmer im ersten Stock. Darunter liegt ein schwarzer, schmaler Pool. Er beginnt im Eingangsbereich zwischen Auto und Salon, durchbricht die Natursteinwand und erstreckt sich über 17 Meter bis zum Ende des Gartens.

„Ohne Reibungen“ verlief die Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bauherr – was die Gestaltung betrifft. „Aber um die Technik musste ich kämpfen“, erzählt Jean-Pierre Lanctuit und lacht. „Eine Regenwasserauffanganlage für Duschen, Waschmaschine und Gartenbewässerung war für uns beide eine ökologische Notwendigkeit. Aber ich wollte Komfort, also Klimaanlage, Fußboden- und vor allem eine Poolheizung. Für Rudy ein Fauxpas!“ Der Bauherr gewann: Allein sieben Kilometer Schläuche für warme und kalte Luft werden unter den Zement- und Palisanderholzböden verlegt. Die Einrichtung war im Vergleich dazu ein Kinderspiel, sagt Jean-Pierre Lanctuit. Er kaufte spontan: Klassiker der Moderne, wie Gerrit Rietvelds Polstersessel „Utrecht“ oder Liegen von Le Corbusier, luxuriöse Möbel der französischen Gestalter Jacques Adnet (1900–1984) und Jean Royère (1902–1981) und aktuelles Design wie der Sessel „Corallo“ aus Stahldraht, ein Entwurf der brasilianischen Brüder Humberto und Fernando Campana. „Jeder Morgen, an dem ich vom Steg auf mein Auto, den Pool und in die Weite des Glasanbaus blicke, ist für mich ein kleines Wunder“, sagt Jean-Pierre Lanctuit.

Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Gary Gunderson