Mailänder Mischung Marva Griffin im Interview

Erinnerung
Olivetti-Schreibmaschine von Marva Griffin

Ihrer Olivetti-Schreibmaschine, an der sie einst arbeitete, gab Marva Griffin aber einen Ehrenplatz.

A&W: Räumen Sie oft um? M.G.: Nie. Ich tausche bloß ein paar Dinge aus.

A&W: Wovon würden Sie sich nie trennen? M.G.: Mein Lieblingsstück ist der Spiegel „les grands trans-Parents“ von Man Ray, das erste Designobjekt, das ich je gekauft habe. Und mit der alten Olivetti-Schreibmaschine habe ich mein ganzes Leben lang geschrieben. Na ja, bis es Computer gab, natürlich (lacht). Jetzt steht sie als Erinnerung im Regal.

A&W: Lässt sich am Interieur Ihre Laufbahn als Designexpertin ablesen? M.G.: Ich bin mir nicht sicher, ob man das so eindeutig behaupten kann. Es sind eher ganz persönliche Objekte. Wie die Holzskulptur im Eingang, ein Widder, die eigens für mich angefertigt wurde. Sie spielt auf mein Sternzeichen an. Und darüber hängt ein Hinweis auf mein Heimatland: der Umriss von Venezuela, in eine Metallplatte geschnitten.

A&W: Sind Sie noch oft da? M.G.: Oh ja, mein Bezug dahin ist sehr stark. Ich habe eine große Familie und fliege mehrmals im Jahr hin.

A&W: Was hat Sie einst von Venezuela nach Italien geführt? M.G.: Wir nennen Europa „el viejo continente“, und wer in Lateinamerika geboren ist, fühlt das Bedürfnis, Europa zu besuchen. Ich bin dann einfach dageblieben. Eine Stellenanzeige im „Corriere della Sera“ öffnete mir damals die Türen von C&B – und damit zum Design.

A&W: Heute sind sie die Kuratorin des „Salone Satellite“ und erhalten Jahr für Jahr gut 800 Bewerbungen. Wie treffen Sie die Auswahl? M.G.: Die erste treffe ich allein, schließe das Uninteressante aus. Da fühle ich mich ganz frei. Die übrig gebliebenen Bewerbungen, etwa 400, werden einem Ausschuss vorgelegt, den ich aus Designern und Designunternehmern, Architekten, Kuratoren und Journalisten bilde.

A&W: Für welche Designer, die inzwischen internationales Renommee haben, begann die Karriere beim „Salone Satellite“? M.G.: Für sehr viele: Matali Crasset etwa oder Patrick Jouin, Nendo, Xavier Lust, Satyendra Pakhalé, Harri Koskinen, Lorenzo Damiani, Paolo Ulian – und das sind nur einige.

A&W: Was hat sich seit 1998 verändert? M.G.: Die Designer werden immer besser und professioneller! Viele entwickeln schon selbst Prototypen.

A&W: Hat sich auch das Design verändert? M.G.: Es verändert sich nicht, es entwickelt sich immer weiter. Das ist ja das Tolle daran!

A&W: Für Ihre Arbeit sind Sie viel unterwegs, ist die Wohnung Ihr Rückzugsort? M.G.: Ja, unbedingt.

A&W: Wie erholen Sie sich? M.G.: Ich höre sehr, sehr oft Musik, zu Hause und in Konzerten, vor allem klassische, am liebsten Beethoven. Ich lasse mich von der Musik treiben. Wenn es nach dem Konzert eine Einladung zum Abendessen gibt, sage ich meistens ab, gehe gleich nach Hause – und genieße dort in Ruhe den Nachhall.

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