Mehr Platz und bunter: Umstrukturierung der Räume

Hell, klar und etwas kühl: Das Haus einer Familie in Los Angeles ist ein Paradebeispiel für die kalifornische Moderne. Die jungen Besitzer wünschten sich mehr Wärme und mehr Wohnraum. Starke Farben und ein neuer Grundriss machten es möglich - ganz ohne Anbau.

 

„Wir haben viel Zeit mit den Bewohnern verbracht und dabei ein gutes Gespür für das bekommen, was sie brauchen“, sagt die Architektin. „Nämlich nicht mehr, sondern anders organisierte Fläche.“ Die mit dunklem Holz verkleideten Innenwände werden eingerissen, Fenster vergrößert, Einbauregale und -schränke gebaut, die Treppe wird verbreitert. „Es war keine Schönheitsoperation, sondern eine Wiedergeburt“, sagt Linda Talmaan. Im Erd- und Untergeschoss sind helle Lofts entstanden, die sich zu individuellen Gartenräumen öffnen. Die Eltern wohnen und schlafen oben, Tochter und Sohn unten. „Dieser Kellerkinderlösung stand ich zunächst sehr skeptisch gegenüber“, sagt die Hausherrin, „aber sie bewährt sich jeden Tag, Eva und Simon sind begeistert von ihrem kleinen Reich.“ 70 Quadratmeter mit Spielzimmer, Bad, zwei Schlafräumen, dazu eine eigene, riesige Terrasse. „Sie können für sich sein, allein nach draußen gehen, und wir haben sie trotzdem immer im Blick.“

Juan Devis lässt sich auf das weiße Wohnzimmersofa sinken. „Alles, was ich brauche, ist in Reichweite: die Küche, die Musikanlage, der Kamin, der Garten“, sagt er. „Und sollte ich einmal schlechte Laune haben, heitern mich die Wandfarben auf.“ Laura Purdy entspannt sich lieber in der nostalgischen Gusseisenwanne im neuen Elternbad: „Ich schwebe im warmen Wasser und schaue in den Garten, der so typisch ist für den merkwürdigen kalifornischen Mix aus Wildnis und Ballungsraum.“ Die Familie teilt das Grundstück mit Eichhörnchen, die gern auf der Hängematte schaukeln, mit Kojoten und mit Waschbären, die unsichtbar bleiben, bis eine streunende Katze auftaucht, die sie wütend vertreiben. „Und nicht einmal 30 Meter entfernt feiern unsere Nachbarn eine Poolparty.“

Das urbane Idyll hat die Landschaftsgestalterin Laura Cooper aus Los Angeles entworfen. Ihre Ideen: „Jeder Blick aus dem Haus ergibt ein gerahmtes stimmiges Gemälde, und möglichst viele der Materialien, die beim Umbau keine Verwendung mehr finden, sollen recycelt werden.“ So feiern hölzerne Wandverkleidungen ein Comeback als Bretterzaun. Das „Amphitheater“, eine breite Treppe, die als Grill- und Sonnenplatz genutzt wird, besteht aus Betonfliesen der ehemaligen Terrasse, ebenso die Mauer, die sich um den Gemüsegarten windet. Der riesige Eukalyptusbaum, der gefällt werden musste, weil er sich gegen die Hausmauern neigte, wurde zu einer Bank, Tischchen und dem Belag der Wohnzimmerterrasse.

Makellos gepflegt sehen Garten und Haus aus. „Wir sind ordentliche Menschen, vielleicht, weil wir oft zu Hause arbeiten und uns nicht konzentrieren können, wenn um uns herum Durcheinander herrscht. Die Kinder haben dazu natürlich eine ganz andere Einstellung“, sagt die Hausherrin und lacht. Nein, die Familie sei nicht Sklave der Gestaltung, sondern liebe es, in abgewetzten Jogginganzügen und alten Lieblings-T-Shirts die Wochenenden zu verbringen. „Sogar Freunde, die mit Stilmöbeln und Antiquitäten wohnen, finden unser Zuhause gemütlich“, sagt Juan Devis. „Einer kündigte nach einem Besuch an, seine ablehnende Haltung zur Moderne zu überdenken.“

Seite 2 : Umstrukturierung der Räume
Schlagworte:
Autor:
Petra Mikutta
Fotograf:
Patricia Parinejad