Das neue Haus von Alberto Alessi Das Anwesen

Ein Produkt seiner Firma findet sich heutzutage fast in jedem Haushalt. Wir haben Alberto Alessi in seinem neuen Haus am Ortasee besucht, wo er sich einen Traum erfüllt: Zusammen mit Gattin Laura baut er Wein an - die pure Leidenschaft.

 

Vor zehn Jahren konnte er dann das sechs Hektar große Anwesen kaufen. Sein Traum näherte sich der Realisierung. „Auf diesen Hügeln wurden urkundlich erwähnt vor vielen hundert Jahren Weinreben gefunden, das Gebiet war ja von den Römern besiedelt“, sagt Alberto Alessi mit seiner sonoren Stimme und dem fast obligatorischen Zigarrenstummel zwischen den Fingern, „aber die Reblaus hat dem Weinbau hier den Garaus gemacht.“ Heutzutage gilt die Region unter Weinkennern wegen des temperaturausgleichenden Klimas rund um den See nicht gerade als Spitzenlage.

Doch Hindernisse sind für Alberto Alessi willkommene Herausforderungen. Ihnen stellt er sich allzu gern, wie bei der Umsetzung von komplizierten Ideen, die seine Designschmiede meistert. Längst sind das nicht mehr nur Objekte in Metall, dem Stammgeschäft der von Großvater Giovanni 1921 gegründeten Topffabrik. Alessi produziert über 1000 verschiedene Produkte, auch in Porzellan und Kunststoff, kooperiert mit anderen Herstellern, zum Beispiel für Küche und Bad – und ist ein millionenschwerer Global Player.

Das von Mendini konstruierte Landhaus musste also zwei Zwecken dienen: komfortables Wohnen auf rund 400 Quadratmetern und ausreichend Kelter- und Kellerfläche für Alberto Alessis junge Leidenschaft, das Weinmachen, bieten. „Als Zugeständnis an die Vorschriften der Baubehörde sieht das Gebäude wie ein traditionelles aus der Region aus“, erklärt Mendini. „Es war ein mühsamer Prozess, unsere Vorstellungen mit denen des Geometers in Einklang zu bringen“, umschreibt Mendini vornehm das in Italien typische Ringen um Genehmigungen. Deshalb zwinkert der mendinische Formenhumor nur von der fahnenbewehten Turmspitze des Haupthauses herab und durch die wellenlinigen Sicherheitsgitter vor den Fenstern hindurch. Seine spielerische Handschrift einer „utopischen Poesie“ (siehe A&W 4/10) kommt allenfalls subtil zum Tragen. Dieses Haus für Alessi sollte ja auch kein Manifest des Designs werden.

 

Autor:
Barbara Friedrich
Fotograf:
Giovanni Castell