Zahlreiche Infos über Bildhauer Xavier Corberó

Künstler Xavier Corberó

Großer Künstler und Grandseigneur: Xavier Corberó ist beides.

Xavier Corberó, 1935 geboren, gilt als einer der bekanntesten Bildhauer Spaniens. Seine Skulpturen schmücken öffentliche Plätze in der ganzen Welt, stehen im Victoria and Albert Museum in London und im MoMA in New York. Corberó entwarf für die Olympischen Spiele in Barcelona 1992 die Medaillen, und in einer seiner zahlreichen Werkstätten warten zwei filigrane Marmorscheiben für Michael Douglas auf ihre Fertigstellung.

Sein Opus magnum ist freilich dieses Anwesen aus Landhäusern in Esplugues de Llobregat, einer hügeligen Vorstadt von Barcelona, das Corberó seit Jahrzehnten bewohnt – oder sollte man eher sagen bespukt? 10 000 Quadratmeter Wohnfläche (zirka, so genau weiß das niemand), Dutzende Räume auf fünf Stockwerken, angefüllt mit unzähligen Kunstwerken und Antiquitäten – und dem Humor und der Maßlosigkeit eines aus der Zeit gefallenen Großkünstlers, der auf eine rührend nostalgische Art den Schock inszeniert. Es ist der Geist von Salvador Dalí, Man Ray und von Marcel Duchamp. Corberó kannte sie übrigens alle, was die vielen im Haus verteilten Schwarz-Weiß-Aufnahmen eindrucksvoll belegen.

„Dalí fragte mich mal: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Ich tat zu der Zeit gerade nichts, also sagte ich: Ich versuche, Eier zu legen.“ Der zarte Herr lässt vielsagend die Zigarette kreisen, dann weist er lachend auf eine drei Meter hohe Basaltskulptur in einem der vielen Gärten. Sie stellt einen Drachen dar, hat einen riesigen Kopf, einen tonnenschweren Leib und einen langen Dinoschwanz. Daneben liegen, wie steingewordene ironische Pointen, mehrere Eier aus Marmor.

1969 kaufte Xavier Corberó das erste der acht Landhäuser aus dem 17. Jahrhundert, aus denen über die Jahrzehnte das Riesenanwesen erwachsen ist, aber die Geschichte dieses Hauses beginnt früher, in seiner Kindheit. Er wuchs während des Krieges in Barcelona auf, sein Vater hatte eine Kunsthochschule gegründet, sein Großvaterwar ein begnadeter Klarinettist, der mit Igor Strawinsky spielte. Das Haus seiner Kindheit war offen, voller Künstler. Corberó selbst studierte in London am Royal College of Art, zusammen mit David Hockney, kam über den Konstruktivismus zur Abstraktion.

Als er, nach Barcelona zurückgekehrt, in den beschaulichen Vorort Esplugues zog, wurde er dafür von Galeristen und Bekannten verlacht, aber Corberó schwebte kein bürgerliches Leben, sondern ein Künstlertreffpunkt vor, ein riesiges Areal mit Studios und Werkstätten, verwunschenen Gärten und romantischen Rückzugsnischen, ein Ort, an dem – klassischer Avantgardistentraum! – Kunst und Leben ineinander aufgehen. Innerhalb kurzer Zeit wurde das Haus mit dem Pool auf dem Dach zum Anziehungspunkt für Künstler aus aller Welt. Radierungen von Joan Miró wurden hier produziert, und auch die Schmuckdesignerin Elsa Peretti ließ sich hier zeitweise nieder. Und das Haus wuchs. Nach und nach erwarb Corberó angrenzende Grundstücke, und da er deren historische Gärten nicht zerstören wollte, musste er in die Tiefe und die Höhe bauen und gruppierte die meisten Räume um einen achteckigen Patio, der nun wie ein gläserner Turm nach oben ragt.

Autor:
Andreas Schäfer
Fotograf:
Costas Picadas, GAP Interiors