Das Zelt auf der Lichtung Zwischen Innen und Außen

Gut 120 Jahre alt und bis zu 30 Meter lang sind die Holzbalken, aus denen der Architekt Omer Arbel ein Haus nahe Vancouver baute. Er führte sie zu einer komplexen Dachkonstruktion aus Dreiecken zusammen und entwickelte daraus Form und Grundriss. Das Ergebnis: ein Gebäude, leicht wie ein Zelt, das sich in die weite Landschaft öffnet.

A&W: Wie haben Sie das Haus zur Landschaft geöffnet? O.A.: Die Grenze zwischen Innen und Außen haben wir mit einem schlichten geometrischen Trick verwischt: Jeder wichtige Raum hat eine sogenannte offene Ecke, die entsteht, sobald man die vertikale Linie aus zwei auf - einandertreffenden Wänden eliminiert. Im Kopf stellt man sie dann unwillkürlich wieder her – auch wenn diese Begrenzungen eigentlich längst draußen, außerhalb des umbauten Raums liegen. Im Wohnzimmer lassen sich zwei aufeinanderstoßende Wände aus gläsernen Ziehharmonikatüren komplett öffnen, sodass man sich mitten in der Landschaft glaubt.

A&W: Wie haben Sie den Standort des Hauses bestimmt? O.A.: Das Grundstück ist mehr als 16 Hektar groß und besteht im Norden und im Süden jeweils aus einem dichten Saum von Zedern und Douglastannen. An zwei Stellen berühren sich diese beiden Wälder beinah, und auf die Lichtung dazwischen haben wir das Haus gestellt. Es öffnet sich mit einem Ende zum Sonnenauf-, mit dem anderen zum Sonnenuntergang. Um auch mittags, wenn die Sonne über dem gewaltigen Dach steht, Licht ins Haus fluten zu lassen, haben wir einen Innenhof geschaffen.

A&W: Das heißt, Sie haben die Landschaft nicht angerührt? O.A.: Ein einziger Baum wurde aus dem Wald entfernt: eine besonders hohe Zypresse, die wir in den Innenhof verpflanzten. Das Gebäude ist eine Folge horizontaler Räume. Dieses Gewächs gibt ihm ein vertikales Zentrum.

Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Manolo Yllera/Photofoyer