Das Zelt auf der Lichtung Holzmaserung als Relief

Gut 120 Jahre alt und bis zu 30 Meter lang sind die Holzbalken, aus denen der Architekt Omer Arbel ein Haus nahe Vancouver baute. Er führte sie zu einer komplexen Dachkonstruktion aus Dreiecken zusammen und entwickelte daraus Form und Grundriss. Das Ergebnis: ein Gebäude, leicht wie ein Zelt, das sich in die weite Landschaft öffnet.

A&W: Sie haben das alte, vernarbte Tannenholz mit modernen Materialien wie Glas und Beton – und damit sehr gegensätzliche Welten – kombiniert. O.A.: Ja. Abgesehen von den großen hatten wir auch viele kleinere Balken, die wir als Gussform für die Betonwände benutzten, sodass sich in deren Oberfläche die Maserung des alten Holzes wie ein Relief abzeichnet.

A&W: Warum haben Sie gerade Beton, nicht etwa Naturstein verwendet? O.A.: Wir haben eine sehr effiziente Betonbauindustrie in Vancouver, die ich mir zunutze machen wollte. Und die Tradition des Brutalismus hier an der Westküste hat mich inspiriert.

A&W: Die Möbel aus perfekt poliertem Holz scheinen ganz bewusst gegen die rohen Materialien gesetzt. O.A.: Genau. Statt mit Farben oder ganz anderen Materialien zu arbeiten, wollten wir Kontraste durch unterschiedliche Texturen herstellen: Das fins - tere, rohe Holz schwebt über einem, aber das Holz, das man anfassen kann, wurde präzise geschliffen. Einen ähnlichen Effekt wollten wir auch mit dem glatt polierten Zementfußboden erzielen.

A&W: Sind die Lampen eigentlich Prototypen? O.A: Wir nutzen unsere Architekturprojekte auch als Labor für Bocci – die Leuchten wurden zwar eigens für das Haus entwickelt, doch jetzt sind sie auch Teil der Kollektion.

Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Manolo Yllera/Photofoyer