Architekt Fritz Haeg machte einen Altbau wieder modern David Bernardi

Wie wird aus einem kleinen Ranchhouse gebaute Avantgarde? Der Architekt und Weltverbesserer Fritz Haeg stülpte dem Altbau in den Hügeln von Los Angeles einen weissen Würfel über, schnitt Löcher hinein und tauchte die Räume in satte Farben.
David Bernardi

Der Filmproduzent David Bernardi hatte das Holzhaus vor sechs Jahren gekauft und bat Haeg um die Renovierung und Erweiterung. Dieser machte daraus ein Versteckspiel aus Alt und Neu, indem er dem Altbau einen Kasten überstülpte, der an den Ecken bogenförmig ausgeschnitten ist – ganz so, als habe er mit einem riesengroßen Messer die Ecken eines überdimensionalen Kartons aufgeschlitzt und seinen Inhalt teilweise freigelegt. Man denkt an die Löcher, die der New Yorker Künstler Gordon Matta Clark in den 70er-Jahren in verlassene Gebäude sägte, um das Licht hineinfließen zu lassen.

Einschnitte

Doch Haeg hat Clarks gewaltsame Interventionen zu einer sanften Geste des Aufdeckens gemildert. Seine Einschnitte haben glatte Konturen, und dort, wo die dünne Putzhülle fehlt, kommen Wände aus Rotholz zum Vorschein: die warme Seele des Hauses. Tatsächlich haben die Innenräume mit ihren Rundbögen, Tonnengewölben und dem kurvigen Mobiliar eine nahezu meditative Wirkung. „Fritz hat von mir verlangt, dass ich einen Aufsatz über mein Leben schreibe“, sagt Bernardi, und offenbar verordnete der Architekt seinem Klienten daraufhin eine hohe Dosis organischer Formen. Sie sollen für Gelassenheit sorgen und dem Stress die Spitze nehmen.

Minidschungel

Sogar einen Miniaturdschungel richtete Haeg zu diesem Zweck ein, indem er einen Flur im Altbau in ein Terrarium verwandelte. Darin schaffen stete warme Nebelschwaden ein perfektes Klima für Orchideen und exotische Moose, die durch Bullaugen im Wohnzimmer wie auch im anliegenden Mediaraum zu bewundern sind. Letzterer ist übrigens wie Prousts legendäres Schlafzimmer mit Kork verkleidet, der seinen tabakähnlichen, bitteren Duft verströmt. Selbst der wilde Krach einer Harley Davidson von der Straße dringt nicht bis hier hinein.

Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Bärbel Miebach