Architekt Fritz Haeg machte einen Altbau wieder modern Die Natur

Wie wird aus einem kleinen Ranchhouse gebaute Avantgarde? Der Architekt und Weltverbesserer Fritz Haeg stülpte dem Altbau in den Hügeln von Los Angeles einen weissen Würfel über, schnitt Löcher hinein und tauchte die Räume in satte Farben.
Die Natur

Die Natur dient Fritz Haeg nicht nur als Dekoration oder zur Kontemplation, er sieht sie ganz nüchtern als Nahrung: Alle Büsche, Bäume und Sträucher, die er um das Haus pflanzte, bringen eine Ernte aus Gemüse, Früchten und Kräutern. Kürzlich erschien sein Buch „Edible Estates“ (etwa: Essbarer Grundbesitz), ein Manifest gegen die amerikanische Obsession des perfekt gestutzten Rasens. Den hält Haeg für nichts als ein sehr durstiges, industriell hergestelltes, chemisch verseuchtes und ästhetisch monotones Produkt. Er will stattdessen jene städtische Agrikultur wiederbeleben, die in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg üblich war: Überall im Land hat er Erbsen, Bohnen und Kürbisse auf den kleinen Vorgartenrechtecken der Vorstadthäuser gesät.

Animal Estates

Auch Wildtiere will er wieder in die Metropolen locken. Er richtete, in Variation zu den „Edible Estates“, auch „Animal Estates“ ein – Unterkünfte für Bieber, Fledermäuse oder Bienen, die in San Francisco oder Manhattan einmal heimisch waren. Fritz Haeg, der sein Büro zuerst in New York hatte, zog nach Los Angeles, weil er „eine stärkere Verbindung zur Landschaft“ suchte, wie er sagt. Im Haus für David Bernardi schlägt sich diese Nähe vor allem in den heiteren Farben nieder, die er der Umgebung entlehnte und um ein paar Grad intensivierte: Das Esszimmer leuchtet in chlorophyllreichem Chartreuse, während die berühmten Sonnenuntergänge von Los Angeles als Inspiration für das Orange im Wohnzimmer dienten, das sich mit einem Panoramafenster nach Westen, mit Blick auf das Hollywood-Zeichen, öffnet.

Das Schlafzimmer

Das Schlafzimmer dagegen ist in ruhigen Blautönen ausgemalt. Es enthält nur ein Möbelstück, und das dient als Schrank, Bett, Nachttisch und Kommode. Ähnlich multifunktional ist auch die „Konversationsgrube“ im Wohnraum, eine Sitzbank aus Ahornsperrholz, die als Schnecke aus der Wand wächst und einen engen Sitzkreis bildet. Darunter ist Regalraum für Bücher. „Die Möbel sollten die Wirkung der Räume möglichst wenig beeinflussen“, erklärt Fritz Haeg. Ihre Kompaktheit und Effizienz gibt dem Besucher das Gefühl, wie auf einem Boot zu sein. Der Ozean liegt weit hinter den Hügeln, aber am Fuß des Hauses schimmert ein ovaler Pool mit schwarzen Kieseln – und im Wasser spiegelt sich die Architektur.

Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Bärbel Miebach