Eine Frage des Respekts Der Weg zum modernen Bauernhaus

Vor 22 Jahren kaufte der holländische Design-Unternehmer Wim van Ast nahe Winterswijk ein Gehöft von 1790. Er renovierte es sorgfältig – und lernte es mit der Zeit immer besser kennen. So gut, dass er seine Eingriffe von einst nun noch einmal korrigierte, um der alten Hülle ihre Atmosphäre zurückzugeben.

Dabei wollte Wim van Ast überhaupt kein Bauernhaus, er wollte eigentlich überhaupt kein altes Haus, sondern ein großes Grundstück, um etwas ganz Modernes darauf zu bauen. „Wir wünschten uns Platz“, sagt er, aber weitläufiger Baugrund ist rar in den Niederlanden, die zu 50 Prozent aus landschaftlichen Flächen bestehen und die höchste Bevölkerungsdichte der EU haben. Es dauerte, bis er aus Zufall und halb im Scherz dieses Angebot bekam: drei alte Gebäude – ein Wohnhaus mit Stall, eine Scheune und ein kleiner Bau, der Backhaus oder Altenteilerhaus gewesen sein könnte – auf 10 000 Quadratmetern Grund, umstanden von 35 Eichen. Das Anwesen war denkmalgeschützt, aber halb verfallen. Gerade das habe ihn interessiert, sagt Wim van Ast, dass niemand etwas umgebaut hatte, er also nach seinem Geschmack vorgehen konnte. Die Idee dabei war schnell klar: Die alten Wohnräume im Vorderhaus sollten möglichst bewahrt und zurückgebaut werden, im hinteren Teil aber, wo früher Ställe und Lager waren, würden neue Zimmer entstehen, „und die bauten wir so, als wären sie von heute“.

So entstanden ein moderner Wohnraum, ein Schlafzimmer, ein neues Treppenhaus und unterm Dach, wo einst der Heuboden war, drei Zimmer mit Bädern. In der alten Wohnküche dagegen blieb der originale, sich auf ganzer Länge erstreckende Vitrinenschrank erhalten, und unter dem großen Abzug der alten Feuerstelle sind Eisenplatten mit der Inschrift früherer Besitzer zu sehen. Die hohen Sprossenfenster sind aufgearbeitet worden, der Boden wurde neu aufgebaut mit einer Betonschicht, in der Leitungen und die Fußbodenheizung stecken, und darauf glasierte Backsteinstreifen gelegt, wie es einst in der Gegend üblich war. In einer niedrigen, höher gelegenen Kammer kann man noch eine alte Wand aus Weidengeflecht mit blau gestrichenem Lehmputz darüber sehen. „Die Farbe hielt die Fliegen ab“, erklärt Wim van Ast. Er lobt den Esszimmerschrank („ein wunderbares Stück“), die Behaglichkeit der Bibliothek, die in einem alten, später angebauten Zimmer untergebracht ist, die „herrliche Intimität“ des Innenhofes, der entsteht, weil dieser kleine Anbau, das Haupthaus und das Backhäuschen eine U-Form bilden, und die Weitläufigkeit des Grundstücks, das mit alten, hohen Eichen umstanden ist („da hat man viel Privatsphäre“).

Autor:
Gabriele Thiels
Fotograf:
Dennis Brandsma, Eigen Huis & Interieur