Eine Frage des Respekts Rückbau des Umbaus

Vor 22 Jahren kaufte der holländische Design-Unternehmer Wim van Ast nahe Winterswijk ein Gehöft von 1790. Er renovierte es sorgfältig – und lernte es mit der Zeit immer besser kennen. So gut, dass er seine Eingriffe von einst nun noch einmal korrigierte, um der alten Hülle ihre Atmosphäre zurückzugeben.

„Das Wohnzimmer war zu groß“, sagt er. „Es hatte fast 70 Quadratmeter, der Kamin wirkte klotzig, die modernen Dielen aus Buche waren unpassend.“ Er ersetzte den Holzboden durch Sandsteinplatten, rückte das große Fenster eineinhalb Meter nach innen („jetzt sieht es von Weitem wieder aus wie ein echter Bauernhof“) und zog die Wand des angrenzenden Schlafzimmers 50 Zentimeter vor, sodass sie den Kamin einband, der jetzt nur ein Ausschnitt in der Fläche ist. Im Schlafraum wurden in die so entstandene Nische Schränke aus Eichenholz eingebaut.

Frei stehende u-förmige Wandelemente rahmen das Bett rechts und links wie Paravents. Sie grenzen Badund Boudoir-Bereich an den beiden Enden des langen, offenen Raums ab, ohne seine Wirkung zu stören. Die Eingriffe sind diskret und selbstbewusst zugleich, sie achten das alte Gemäuer und geben ihm doch Modernität. „Das Gleichgewicht ist wieder da“, sagt der Hausherr. „Das ist eine schöne Erfahrung.“ Es ist wie eine lange, gute Beziehung – man darf nicht aufhören, an ihr zu arbeiten. Im Salon steht Wim van Ast und schaut mit leisem Zweifel auf das Sofa: „Es ist jetzt eigentlich zu groß für den Raum.“

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Autor:
Gabriele Thiels
Fotograf:
Dennis Brandsma, Eigen Huis & Interieur