New York Schwebende Elemente

In einer New Yorker Fabriketage entdeckte die Architektin Diane Lewis das Raumgefühl italienischer Renaissance-Paläste. Sie baute es für zwei renommierte Baukunst-Experten aus - mit minimalistischen, variablen Einbauten, die eine maximale Offenheit bieten.

Bett von Alfredo Häberli

Langer Gang Vom Schlafzimmer geht es an der Küchenzeile entlang geradeaus bis zum Salon. Die einzelnen Bereiche werden bei Bedarf getrennt. Das Bett, ein Entwurf von Alfredo Häberli, hinterlässt hier wie alle Möbel nur einen minimalen Fußabdruck.

Jeden Winkel ihres Lofts haben Beatriz Colomina und Mark Wigley eigentlich zum potenziellen Arbeitsplatz erklärt, doch gelegentlich sitzen sie auch einfach an ihren Schreibtischen nebeneinander. Sie teilen sogar das 25 Meter lange Bücherregal, das Lewis in der Mitte der Wand platzierte – wie alle ihre Einbauten berührt es nicht den Boden. „Alle Service-Elemente schweben – das gilt für das Weinkabinett ebenso wie für den Geschirrspüler, das Waschbecken, die Schränke und den Kamin. Dieser Schwebezustand ist der wesentliche Aspekt, der das 20. vom 21. Jahrhundert unterscheidet“, sagt sie über ihren Balanceakt zwischen Schwerkraft und Leichtigkeit, ihr „Ballett der Kräfte“. Auch das spärliche Mobiliar aus modernen Klassikern hat wenig Gewicht. „Die Möbel sind hier, wie auch wir selbst, nur zu Gast“, meint Mark Wigley.

Architektur definiert er als Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Innen und Außen. Und entsprechend empfindet er sein Loft in der Greene Street als urbane Landschaft, in der die Grenzen zwischen Interieur und Exterieur auf ideale Weise aufgehoben sind. Selbst wenn dazu der Verzicht auf Privatsphäre gehört: Die Nachbarn haben ungehindert Einblick in das lichte Heim. „Unser Leben ist durch den Zugriff auf persönliche Daten längst transparent – was man durchs Fenster sehen kann, ist da vergleichsweise harmlos“, meint Beatriz Colomina. Für sie hat das Leben in Räumen, in denen die Außenwelt so willkommen ist, nur einen Nachteil: „Man vergisst einfach, das Haus zu verlassen.“

 

Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Karin Kohlberg