Architektur-Skulptur zum Wohnen Inspiration

Statt Walmdach, Gauben und Idylle eine Kuppel aus Glas und Schilf bis zum Boden: Das Reethaus, das ein Nürnberger Unternehmer an die Ostseeküste stellte, macht aus einer traditionellen Bauweise eine Architektur-Skulptur zum Wohnen.
Inspiration

„Wir haben viele Abende zusammengesessen und planerische Lockerungsübungen gemacht: Woher bläst der Wind, und wo können wir hinsegeln?“, sagt Richard Seibt. Er tritt hinaus auf die Veranda und lässt den Blick vom Trampelpfad zwischen den Sanddornbüschen bis hinab zum Strand wandern. Die sanft gewellten Dünen lieferten schließlich die Inspiration für die Form des Baus, der in Anlehnung an die Künstlerkolonie „Atelierhaus“ genannt wird. Wie die Plastik einer Liegenden, die sich den Bauch an der Westsonne wärmt, sollte es sich in die Hügel schmiegen. Roland Nörpel übersetzte diese Idee in ein 3-D-Modell – und überzeugte so auch den kunstinteressierten Ahrenshooper Bürgermeister.

Für den Architekten war der Bau dieser organisch geformten Wohnskulptur Neuland. Um die komplizierte Konstruktion zu realisieren, ließ er aus allen Himmelsrichtungen Fachleute anreisen: Der Tragwerksplaner kam aus Berchtesgaden „weil er bereit war, die filigranste Architektur zu bauen, die möglich ist“, sagt Roland Nörpel. Der Schreiner aus Leipzig – weil er, gemeinsam mit dem Statiker, 59 unterschiedliche Holzelemente für die Verbindung zwischen Stahlbetonkern und den hufeisenförmigen Bogenbindern berechnete und konstruierte und damit die gekrümmte Gebäudehülle aus schichtverleimtem Fichtenholz stabilisierte.

Dazu ein Tischler aus Hamburg, sonst Restaurator kostbarer italienischer Riva-Boote, der Sideboards und Küchentresen fertigte. Um jeden Arbeitsschritt zeitgleich verfolgen zu können, trafen sich Architekt, Tragwerksplaner und Fassadenspezialist in einem eigens dafür eingerichteten, virtuellen Raum. Irgendwann lag dann das fertige Holzgerüst wie ein umgedrehter Schiffsbauch auf dem Baugrund und wurde mitsamt dem 40 Tonnen schweren Glasdach auf den Sockelbau gehievt.

Autor:
Camilla Péus
Fotograf:
Steffen Jänicke