Großzügig und hell Erdgeschoss und obere Etagen

Am Strand von Hoek van Holland stecken die Dünen voller Bunker: Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Villa, die zwei junge Rotterdamer Architekten hier für ein Ehepaar bauten, ist davon inspiriert – und trotzdem großzügig und hell.

Erdgeschoss

Erdgeschoss

DAS ERDGESCHOSS: eingegraben wie ein Bunker

Der Entwurf reagiert auf die Gegebenheiten einer Hanglage, die erst künstlich geschaffen wurde. Auf dem ebenen Grundstück wurde der Muschelsand zu einer Düne aufgefahren und in diese hinein das Erdgeschoss gebaut. Seine West- und Wetterseite steckt fast ganz im Sand und bildet mit der Nordund Südseite eine U-Form, die nach Osten, da, wo das Gelände wieder plan wird, offen ist. Auf der Eingangsseite im Norden ist die Hauswand leicht nach innen abgeschrägt, sodass Haustür und Garagentor fast wie der Einstieg zu einem unterirdischen Luftschutzraum wirken. Noch eindeutiger ist diese Anspielung beim separaten Eingang des Gästetrakts, der sich hier neben Garage und Kellerräumen befindet: Er verjüngt sich schleusenartig – wie bei einer Bunkerkonstruktion. Und das Vestibül des Hauses hinter der schweren Tür aus Stahl zelebriert mit seinen Sichtbetonwänden und der skulpturalen Eisentreppe, die in die erste Etage führt, geradezu den Aufstieg vom Dunkel ins Licht.

Beletage

Beletage

DIE ERSTE ETAGE: Räume folgen dem Stand der Sonne

Auf 225 Quadratmetern gruppieren sich ein weitläufiger Salon mit Essplatz, Piet van Toors Arbeitszimmer, das Näh- Atelier seiner Frau und die Küche um einen quadratischen Innenhof. Dieser entsteht, weil die Küche wie eine Brücke über der offenen Ostseite des Erdgeschosses liegt. Die Folge der Räume und der Aufriss der vier Fassaden orientiert sich am Stand der Sonne. Vor allem im Sommer ist sie hier am Meer sehr intensiv. So galt es, je nach Himmelsrichtung den Lichteinfall und die Wärme so zu dosieren, dass er die kostbaren Gemälde und Möbel inszeniert, ohne ihnen Schaden zuzufügen. Verkürzt gesagt: Je stärker die Sonne ist, desto kleiner sind die Fensterflächen, desto größer zugleich der Platz für die Bilder.

Im Norden erstreckt sich über die ganze Breite eine Front aus Spiegelglas. Im Osten, in der Morgensonne, befindet sich die Küche mit Frühstücksecke, die sich mit einem raumhohen Fensterband zu einem Dünengarten öffnet. Bei offenen Scheiben ist Vorsicht geboten: Aus ästhetischen Gründen gibt es keine Brüstung. Im Süden ist die Fassade fast zur Gänze geschlossen, nur durch ein Erkerfenster bricht Licht in den Essbereich des Salons. Im Westen erstreckt sich der Salon auf ganzer Länge, große Fenster zur Terrasse lassen das Nachmittagslicht hinein, das letzte Drittel der Fassade jedoch bleibt geschlossen – so entsteht innen viel Wandfläche für die Gemälde. Die Räume öffnen sich auch zum Innenhof mit großen Fenstern und erhalten so zusätzliches Licht.

Schnitt

Schnitt

DIE ZWEITE ETAGE: ein Haus auf dem Haus

Schlafzimmer und Bad der Hausbesitzer liegen im zweiten Stock. Dieser ist schmaler, seine Grundfläche mit 100 Quadratmetern wesentlich kleiner und die Decken sind niedriger als in den beiden anderen Etagen. Er ist wie ein Haus auf das Haus gebaut – und nicht wie irgendeines: Durch eine große, steinerne Treppe, die seine Schmalseite einnimmt und auf die Dachterrasse mit Meerblick führt, erinnert es an die berühmte, 1937 von Adalberto Libera gebaute „Villa Malaparte“ auf der Insel Capri.

Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Christoph Theurer