Großzügig und hell Sichtbeton und Bronzekunst

Am Strand von Hoek van Holland stecken die Dünen voller Bunker: Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Villa, die zwei junge Rotterdamer Architekten hier für ein Ehepaar bauten, ist davon inspiriert – und trotzdem großzügig und hell.

DIE MATERIALIEN: Vielfalt und Fülle

Der prominenteste Baustoff der Villa ist, innen wie außen und wenig überraschend, Sichtbeton. Er spielt nicht nur gestalterisch auf das Bunker-Vorbild an, die Außenwände sind auch besonders stark. Sie regulieren so das Hausklima. „Die Bauherren wollten keine Klimaanlage“, erklärt Daan Zandbelt. „Deshalb machten wir das Haus sehr schwer. Besonders auf der Südseite dienen die dicken Mauern als natürlicher Puffer. Er hält die Wärme im Sommer draußen und im Winter drinnen.“ Die Schwere, die der Beton hier auch optisch vermittelt, wird durch die Kombination mit den unterschiedlichsten Materialien konterkariert: So ist etwa die Ostseite mit grünem Naturstein aus Indien verkleidet, im Westen kommen graue Schieferplatten aus Brasilien zum Einsatz, im Norden die Spiegelwand, und die Fassaden im Obergeschoss spielen mit anthrazitfarbenen Ziegeln auf die Bebauung längs der Amsterdamer Grachten an – der Bau ist auch als Labor architektonischer Ideen zu verstehen.

DIE ZUKUNFT: Wohnen im Gesamtkunstwerk

Acht Monate dauerte die Planung, 18 Monate wurde gebaut, seit fast zweieinhalb Jahren leben Piet und Diana van Toor jetzt in ihrem Haus. Sie haben es mit wenigen, ausgesuchten Einzelmöbeln eingerichtet, zumeist holländisches Industriedesign der 1950er-Jahre. Immer öfter beauftragen sie Künstler, Arbeiten vor Ort zu gestalten. Eigens für den Innenhof entstand ein 350 Kilogramm schweres Bronzerelief mit zwei Fischen, ein Werk der Bildhauerin Hetty Heyster. Auch Kunst-Workshops und Ausstellungen finden hier regelmäßig statt. Für die Besitzer ist klar: „Wir möchten aus unserem Haus ein Gesamtkunstwerk machen.“

Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Christoph Theurer