Restaurierung Die Restaurierung

Könnte dieses Haus sprechen, es würde uns fragen: Was ist hier alt, was neu gebaut? Ein Landschaftsgärtner und ein Inneneinrichter machten aus einem verfallenen Bauernhof im Süden der Niederlande ein Anwesen, das die Tradition bewahrt und die Moderne zulässt: mit puristischen Formen, gedeckten Farben und der sinnlichen Qualität von Naturmaterialien. Holz und Backstein, Kalk, Schiefer und Leinen haben hier ihren Auftritt.

Wohnhaus und Ställe waren verfallen, das Ackerland war schon lange an die Nachbar-Bauern verkauft worden. „Nur der Backsteinkamin im früheren Wohntrakt der Landarbeiter schien uns erhaltenswert“, sagt Toine Michielsen. „Und eigentlich war nur er der Grund, dass wir gekauft haben.“ Heute kann man dem Anwesen mit seinen 230 Quadratmetern Wohnfläche kaum ansehen, was restauriert und was neu dazu gebaut wurde, und auch der Garten wirkt, als sei er in Jahrzehnten so gewachsen. Denn die Bauherren gingen mit ausgeprägtem Gespür für natürliche Materialien und ihre Verarbeitung zu Werke, sie kombinierten Altes und Neues, Exotisches und Regionales, gezügelt durch einen Purismus, der alles zeitlos zeitgemäß erscheinen lässt. Und die richtige Mischung aus Geduld und Ungeduld hatten sie bei der Realisierung auch. „Wir wollten die Ruine spüren, bevor wir sie restaurierten“, erklärt Toine Michielsen. So baute das Paar zunächst das ehemalige Backhaus aus, mit anthrazitfarbenem Steinfußboden und weiß gekalkten Wänden, die sich so später auch in allen anderen Teilen des Anwesens wiederfinden sollten. Ein Jahr lang wohnten sie in dem kleinen Anbau, der heute Gästehaus ist. Sie planten und versetzten Wände auf dem Papier, verwarfen, zeichneten neu, suchten nach den passenden, alten Baumaterialien.

Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Christoph Theurer