Beatrix im Wunderland Affinität zur Vergangenheit

Beatrix im Wunderland: In dem neogotischen Atelierhaus Hôtel des Artistes in New York dürfen bis heute nur Kreative wohnen. So wie die deutsche Künstlerin Beatrix Ost und ihr Mann Ludwig Kuttner: Sie ergänzten die originale Ausstattung mit einem exzentrischen Mix aus Kunst und Design – und schufen Räume wie im Märchen.

Sich „der alten Zeit“, die in dem Apartment noch immer lebt, zu fügen, fiel der experimentierfreudigen und geschichtsbewussten Künstlerin nicht schwer. Kaiserzinn, Möbel der Wiener Werkstätten und eine höchst rare Fin-de-Siècle-Deckenleuchte aus Glas und Eisen zeugen von einer starken Affinität zu der Epoche, aus der das Haus stammt. Dennoch fühlt man sich nicht in die Vergangenheit versetzt. Sondern in eine intime und zugleich weite Welt, in der sich Kathmandu, Manhattan, die Südstaaten und Bayern begegnen. Hier vertragen sich die Türklinken aus Bronze, die Beatrix Ost nach einem besonders schön geschwungenen Rehgeweih gießen ließ, als Erinnerung an das Jagdzimmer ihres Elternhauses, mit dem „Root Chair“ von Kolatan/ Mac Donald, einer amorphen Chaiselongue aus schwarzem Fiberglas, die sie „mein zerdrückter Henry Moore“ nennt.

Dass so heterogene Objekte so harmonisch wirken können, liegt an dem engen persönlichen Bezug, den das Ehepaar zu ihnen allen hat. „Wir sind von begabten Leuten umgeben und haben für diese Wohnung entweder Dinge von Freunden erworben oder sie bei Betrieben, etwa im Himalaja, bestellt, wo ein Auftrag mehrere Familien für ein Jahr ernähren kann“, erklärt Ludwig Kuttner. Andere Gegenstände wurden auf Auktionen ersteigert, deren Erlös einem Off-Broadway-Theater oder dem Museum für tibetische Kunst von New York zugute kommt. In diesem Apartment im neunten Stock ist das Hôtel des Artistes auch ein Maison des Amis.

Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Sigrid Rothe