Im Bungalow "Interbau" Lieblingsplatz im Bungalow

Von Berufs wegen schaut der Architekt, Designtheoretiker und Kurator Friedrich von Borries in die Zukunft. Privat lebt er mit seiner Familie in einer Wohnvision, die vor über 50 Jahren Gestalt annahm: in einem Bungalow der "Interbau" im Berliner Hansaviertel - eine Ikone, möbliert mit Klassikern. 

Lieblingsplatz der Familie ist der einstige Innenhof hinter der Küche, den die Vorbesitzer mit einem Glasdach geschlossen hatten und der als Esszimmer dient. Auch an grauen Tagen fällt genug Tageslicht zum Essen, Malen und Hausaufgabenmachen durch die Decke. Die handbreiten Betonsprossen, die den Lichthof rahmen, dienen mal als Riesensetzkasten für Kastanien und Muscheln, mal als Adventskalender für Eduard, 9, und Conrad, 11. Die Jungs brauchen ein paar Ausweichmöglichkeiten. Denn ihre Zimmer sind nur je acht Quadratmeter groß. „Noch gibt es einen Durchgang zwischen den Räumen – mal sehen, wer von beiden ihn als Erster zuhängt“, sagt Friedrich von Borries und schmunzelt.

In dem Moment hopst Eduard barfuß über das Sofa, an seinem Vater vorbei und durch die offene Terrassentür in den Garten. Friedrich von Borries, der auch noch eine Professur für Designtheorie an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg innehat, hält den Laptop fest. „Ich lerne noch, wie ich Beruf, Familie und die Pendelei zwischen zwei Städten am besten koordiniere“, sagt er. Zu Hause arbeitet er am liebsten nachts. Sein Schreibtisch steht im Wohnraum und ist nicht etwa architektenkonform von Eiermann oder Eames, sondern besteht aus schwarzen Baumarkt-Böcken, einer weißen Tischlerplatte – und einem, für den im Gespräch eher aufgeräumten Professor überraschenden, undurchdringlichen Chaos von Artikeln, Rechnungen, Ideenskizzen und Buchverträgen. Die Größenordnung seiner Aufträge stieg kontinuierlich, seit er 2008 mit Matthias Böttger von Raumtaktik den deutschen Beitrag zur Architekturbiennale in Venedig kuratierte. 2010 konzipierte er die Ausstellung „Klimakapseln“ im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, sein neues Buch und erster Roman erscheint am 11. September – „1WTC“ spielt auf dem Baugelände des World Trade Centers in New York. Ja, gibt er zu, er habe Stress, aber positiven. Und beim Arbeiten entspannt ihn der Blick ins Grüne.

Autor:
Camilla Péus
Fotograf:
Steffen Jänicke