Im Bungalow "Interbau" Renovierung mit Authentizität

Von Berufs wegen schaut der Architekt, Designtheoretiker und Kurator Friedrich von Borries in die Zukunft. Privat lebt er mit seiner Familie in einer Wohnvision, die vor über 50 Jahren Gestalt annahm: in einem Bungalow der "Interbau" im Berliner Hansaviertel - eine Ikone, möbliert mit Klassikern. 

Das Schönste für seine Kinder ist das sonntägliche Kaiserschmarren-Backen in der offenen Küche. „Sie ist aufgewertetes Ikea“, sagt der Designprofi. Die Arbeitsplatte ist aus Corian, die Armaturen sind von Arne Jacobsen. Solche Kompromisse macht Friedrich von Borries selten. Er legt Wert auf Authentizität, wie bei der Renovierung des Hauses: Er erhielt den roten, gelben und blauen Anstrich der Schlafzimmerfenster auf der Gartenseite, wählte für die Türen die Blaugrau-Töne, die Denkmalpfleger als Originalfarben zum Vorschein brachten. Allein die Garage wurde umfunktioniert, der vordere Teil in einen Fahrradschuppen, der hintere in ein Lesezimmer. Für die vielen Bücher kaufte das Paar ein Kontingent alter Kaufhausregale auf. Sonst sind die Wände weiß – außer einem Schaukasten mit Schmetterlingen und einem Gürteltier-Panzer, den Anne von Borries von ihrem Großvater erbte. „Ich mag es nüchtern“, sagt ihr Mann. „Die Augen sollen sich nur an ein paar Punkten festhalten können. Es ist ein Wohnen ohne Statussymbole.“ Neu gekauft wurden nur das Sofa und die Gartenstühle.

„Eigentlich fühlt sich dieses Haus wie eine westdeutsche Datscha an“, findet Friedrich von Borries. „Ebenerdig, mit vielen Fenstern, Schiebetüren und Blickachsen ins Grüne.“ Er steht auf, ruft in Richtung Kinderzimmer: „Schnappt eure Räder, wir fahren Pizza essen im Tiergarten.“ Dann verschwinden Vater und Söhne zwischen den Bäumen im Park.

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Autor:
Camilla Péus
Fotograf:
Steffen Jänicke