Japanisches Haus mitten in New York Die Lehre

In sein New Yorker Loft setzte der Tischler und buddhistische Soto-Priester Paul Discoe ein traditionelles japanisches Haus. Das Holz für den Einbau stammt von Kranken und entwurzelten Bäumen, dem er durch diese Veredelung seine Aura zurückgab.
Die Lehre

Fünf Jahre dauerte die Lehre, doch als Discoe nach Tassajara zurückkehrte, war er u. a. in der Lage, eine buddhistische Enklave an der Westküste, einen 200 Millionen Dollar teuren Campus aus luxuriösen japanischen Wohnhäusern für Larry Ellison zu bauen, den Gründer des Software-Riesen Oracle. Für die Kunstsammlerin und Mäzenin Ann Hatch entwarf er ein Wochenendhaus in der Nähe von San Francisco. Als das Projekt nach fünf Jahren abgeschlossen war, heiratete er sie.

Paul Discoes Firma Life Edge in Oakland stellt Möbel und traditionelle japanische Häuser in Fertigbauweise her. Er verwendet dabei stets Holz der Umgebung und möglichst aus dem „urbanen Wald“, wie er es nennt. „Ich verwende Bäume, die einem Neubau zum Opfer fielen, die ein Tornado umgeworfen hat oder die gefällt wurden, um die Verbreitung von Baumkrankheiten zu verhindern“, erklärt er. Die harten Fasern eines Stadtbaumes lassen sich lesen wie seine Biografie, darauf sind nicht nur Unwetter und Klimaveränderungen notiert, sondern auch einschneidende Begegnungen mit Menschen – „Nägel, Stricke, Stoßstangen und sogar Schüsse hinterlassen ihre Spuren und werden Teil der Persönlichkeit eines Baumes“. In der Zen-Philosophie heben Patina oder sogar Verwundungen den Wert eines Materials. So legt Discoe keinen Wert auf noble Exemplare, vielmehr geht es ihm um die Veredelung gewöhnlicher Hölzer zu makellosen Oberflächen:

„Fichte und Kiefer eignen sich für Balken, die weiße Zeder für Pfeiler, Ulmen für Böden.“ Den Badezimmerschrank seines New Yorker Lofts fertigte er aus dem Holz eines Kampferbaumes, der einst an einer Straße in Berkeley stand, das Holz für den Waschtisch stammt von einer Zypresse aus dem Golden Gate Park in San Francisco, und Ulmen aus einer Grünanlage in Sacramento wurden zu Planken geschnitten, gehobelt und geölt. Jetzt bedecken sie den Flur, der entlang der Fensterfront verläuft. Er ist eine Reminiszenz an jenen langen Gang („engawa“), welcher in buddhistischen Tempeln von außen Zugang zu den Räumen erlaubt.

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Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Bärbel Miebach