Nachhaltiges Bauen: 7 kreative und ästhetische Ideen

Es sind dramatische Zahlen: Das Bauwesen ist verantwortlich für bis zu 60 Prozent des weltweiten Ressourcenverbrauchs und für rund 40 Prozent der CO2-Emissionen. Die Branche sucht nach Lösungen.

1. Nachhaltiges Bauen mit Holz

Unter den Baumaterialien sticht Holz mit einer positiven CO2-Bilanz hervor, die chemische Verbindung ist darin dauerhaft gebunden. Werden neue Technologien angewandt, wie bei dem Urbach Turm in der gleichnamigen schwäbischen Gemeinde, kann sich Holz zu einem zukunftsträchtigen Baustoff entwickeln. 

Holz, das zeigt das Londoner „House in a Garden“ von Gianni Botsford Architects, kann zugleich funktional, ausdrucksstark und atmosphärisch angenehm sein. Bei dem hier verarbeiteten Brettschichtholz verlaufen die Fasern der verleimten Holzlagen in die gleiche Richtung. 

Bei quer zueinander verklebten Schichten spricht man von Kreuzlagenholz, das nicht „arbeitet“. Die Industrie hat beide Verfahren in den letzten 20 Jahren so weit perfektioniert, dass Holz inzwischen eine Alternative zu Beton und Ziegel ist.

 

2. (Bau-)Müll richtig trennen

Das Bauwesen ist weltweit für 50 Prozent des Müllaufkommens verantwortlich. Sind die Elemente nach Art des deutschen Wärmedämmverbundsystems auch noch verklebt, entsteht Sondermüll.

Das Berliner „Wohnregal“ von FAR Architekten ist nicht vorrangig als Ökobau konzipiert, steht aber für den oft übersehenen Aspekt der Wiederverwertung und Müllvermeidung. Tatsächlich denkt das „Wohnregal“ seine eigene Zukunft mit: Die Teile sind nötigenfalls sauber trennbar und können so anderweitig wiederverwertet oder entsorgt werden.

3. Bauen mit Stroh

Möglichst naturnah sollte das Wochenendhaus einer Familie in Colorado sein. Architekt Dominique Gettliffe wählte dafür ein ebenso naheliegendes wie ungewöhnliches Baumaterial: Stroh. 

Die Ballen, stabilisiert von einem Holzgerüst und verputzt, liefern außerordentlich gute Dämmwerte. Sonnenkollektoren auf dem Dach produzieren 80 Prozent der Energie, teils als Wärme für Wasser und Fußbodenheizung, teils als Elektrizität. Sogar die Grundwasserströme wurden bei der Anlage des Hauses mitbedacht – es liegt so, dass es nicht in den natürlichen Wasserhaushalt eingreift.

4. Graue Energie

Die beste Art, nachhaltig zu bauen, ist Umnutzung. Unter Umweltingenieuren kursiert dafür das Stichwort „Graue Energie“ – jene Energie, die in einem bestehenden Gebäude enthalten ist, also für die Produktion des Baustoffs, die Errichtung des Gebäudes und auch für dessen möglichen Abriss.

Selbst ein Null-Energiehaus würde, wenn dafür ein Bestandsbau weichen müsste, schnell von der energetischen Hit- auf die Shitlist wandern. 

Dass Umnutzung eine hervorragende Wahl sein kann, zeigt Architekt Will Gamble mit viktorianischen Bauten im englischen Gretton. Statt einen Stall und eine Fabrikruine abzureißen, integrierte er deren Mauern als Erweiterung in ein Wohnhaus, verwendete auch noch gebrauchte Ziegelsteine – so kann ökobewusstes Bauen aussehen.

5. Bauen mit Recyclingmaterial

In Utrecht zeigen Studio Rolf.fr und Niek Wagemans, wie man auch aus gebrauchten Materialien hochwertige Architektur erschaffen kann – das „House of Rolf“ ist fast vollständig recycelt. Ausgangspunkt dafür war ein historisches Kutschenhaus, in dem Rolf Bruggink wohnen wollte. 

Ein hölzernes Nebengebäude direkt nebenan wurde abgerissen. Doch statt das Material zu entsorgen, entwickelte Bruggink daraus ein spannungsvolles Interieur für seinen Altbau, inklusive eines „Hauses im Haus“ – die gebrauchten Fenster teilen dort die Küche ab, die ehemaligen Bodendielen sind zu Seitenwänden verbaut.

6. Technik und Ökologie

Der britische Architekt Norman Foster suchte ab den 80er-Jahren technische Lösungen für ökologische Fragen. Zu den Spätwerken seines Büros, verantwortlich ist der deutsche Architekt Stefan Behling, gehört der Apple Park in Cupertino. 

Das riesige Gebäude wird mit regenerativen Energien betrieben. Ein extra weit auskragendes Dach aus Carbonfasern überschattet die Räume des Besucherzentrums, sodass auf eine Klimaanlage verzichtet werden kann. Auf der Dachfläche: Sonnenkollektoren und eine Terrasse mit Blick auf das Gelände, wo 8000 neu gepflanzte Bäume für gutes Klima und CO2-Speicherung sorgen sollen.

7. Die neue Einfachheit

Es gehört vielleicht zu den Seltsamkeiten unserer Zeit, bei der Suche nach immer perfekteren und aufwendigeren technischen Lösungen das Naheliegende zu übersehen. Mit einem Forschungsprojekt im bayerischen Bad Aibling soll nun die Umkehr erfolgen. 

Architekt Florian Nagler errichtete mit seinen Studenten drei fast identische Häuser ohne komplizierte Haustechnik. Allein die Architektur (durch Lage, Zuschnitt und Grundrisse) und das Material (nur Holz, Ziegel oder Dämmbeton als je einziges Baumaterial) sollen Antworten auf die Fragen des Wohnens und der Nachhaltigkeit liefern. Die Ergebnisse sind ermutigend, weil machbar, nahbar und irgendwie vertraut.