Architektur
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Globale Skylines im Wandel: Diese Architektur-Highlights zieren ab 2026 die Metropolen

Unsere urbanen Zentren definieren sich neu. Wo früher grauer Beton das Bild prägte, entstehen heute skulpturale Wahrzeichen. Das Jahr 2026 werden diese Träume der Baukunst endlich ihre Hüllen fallen lassen.
Text Yvonne Dewerne
Datum23.12.2025

Das Jahr 2026 verspricht eine bemerkenswerte Dichte an architektonischen Highlights: Es ist das Jahr der großen Eröffnungen, geprägt von neuen Museen, globalen Events und weitreichenden urbanen Transformationen. In dieser sich wandelnden Kulisse stehen herausragende Bauwerke kurz vor ihrer Fertigstellung und werden ab diesem Jahr die internationale Architekturlandschaft bereichern.

Gehrys Erbe und Gaudís Finale: Die Bau-Highlights des Jahres 2026

Diese Projekte markieren das Ende ihrer Bauphase und sind bereit, ihre Rolle als neue Fixpunkte im Gefüge der modernen Metropolen einzunehmen.

1. CityWave in Mailand

Horizontale Eleganz in Mailand: Das geschwungene Dach der CityWave verbindet die Bürotürme zu einem fließenden Torbogen über der Piazza.

Mit CityWave setzt die Bjarke Ingels Group (BIG) den spektakulären Schlusspunkt für das Mailänder CityLife-Quartier. Anstatt in die Höhe zu streben, formt BIG ein horizontales Wahrzeichen: Ein massives, 140 Meter langes Hängedach verbindet zwei Bürogebäude zu einer fließenden Einheit. Das Projekt ist ein hochmoderner Bürokomplex, der durch ein monumentales, geschwungenes Vordach einen neuen öffentlichen Raum schafft. Die Struktur wirkt wie eine erstarrte Welle aus Glas und Stahl, die sich elegant zwischen die bestehenden Wolkenkratzer schmiegt, während das hauchdünne Dach fast schwerelos über der neuen Piazza schwebt. Funktional fungiert das Gebäude als Kraftwerk der Nachhaltigkeit: Die gesamte Dachfläche ist mit einer der größten Photovoltaik-Anlagen Italiens bedeckt und macht das Projekt zu einem Vorreiter für erneuerbare Energien in urbanen Arbeitswelten.

2. Guggenheim Abu Dhabi

Monumentales Vermächtnis in der Wüste: Das Guggenheim Abu Dhabi von Frank Gehry bricht mit seinen verschachtelten Kegeln konventionelle Bauformen.

Das Guggenheim Abu Dhabi steht als finales Vermächtnis des verstorbenen Frank Gehry im Zentrum des Saadiyat Cultural District. Mit der Eröffnung im Jahr 2026 vollendet sich das letzte große Projekt des Pritzker-Preisträgers, der hier noch einmal seine gesamte gestalterische Radikalität entfaltet hat. Der Entwurf schichtet massive Kegel und Kuben zu einer monumentalen Skulptur auf, deren markante Trichterform an historische Windtürme erinnert und die Innenhöfe natürlich kühlt. Im Inneren entstehen spektakuläre, verschachtelte Galerieräume, die jede konventionelle Form brechen. Es ist ein gewaltiges posthumes Werk, das Gehrys einzigartige Handschrift ein letztes Mal in den Wüstensand zeichnet.

3. Olympische Architektur in Mailand-Cortina 2026

Tradition trifft Moderne: Das historische Curling-Stadion von 1955 wird für 2026 revitalisiert und verbindet seine olympische Geschichte mit zeitgemäßem Design.

Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele transformiert sich die Region durch eine Mischung aus Neubauten und Umnutzungen. Die Spiele bespielen dabei historische Fixpunkte: Während die Eröffnungsfeier im San Siro Stadion stattfindet – möglicherweise dessen letztes großes Ereignis –, bildet die Arena von Verona die Kulisse für den krönenden Abschluss. Nachhaltiges Erbe hinterlassen vor allem zwei Großprojekte: Die von David Chipperfield entworfene Arena Santa Giulia soll das gleichnamige Viertel dauerhaft beleben, während das Olympische Dorf von Skidmore, Owings & Merrill die Regeneration des ehemaligen Bahngeländes Porta Romana vorantreibt. Auch bestehende Ikonen werden aktiviert, wie das Forum di Assago oder die Fieramilano-Hallen von Massimiliano Fuksas. In den Bergen schlägt das Curling-Stadion von Cortina die Brücke zur Geschichte – bekannt als Schauplatz der Spiele von 1955 und Kulisse für James Bond.

4. Sagrada Família

Vollendung einer Vision: Der über 170 Meter hohe Turm des Jesus Christus macht die Sagrada Família zum 100. Todestag von Antoni Gaudí zum höchsten Gotteshaus der Welt.

Nach über 140 Jahren nähert sich die Sagrada Família in Barcelona ihrer Vollendung. Im Jahr 2026, zum 100. Todestag ihres Schöpfers Antoni Gaudí, soll der Bau der Haupttürme abgeschlossen sein und das Stadtbild endgültig krönen. Das Herzstück dieser finalen Phase ist der Turm des Jesus Christus, der mit über 170 Metern Höhe das Gotteshaus zur höchsten Kirche der Welt machen wird. Die Architektur bleibt Gaudís organischem Stil treu: Ein Wald aus steinernen Säulen, die sich wie Baumkronen verzweigen, und Fassaden, die biblische Geschichten in komplexen Skulpturen erzählen. Es ist der Moment, in dem die Vision des "Architekten Gottes" nach Generationen von Handwerkern und modernster Computertechnik zur baulichen Realität wird.

5. Shanghai Oper

Wie ein entfalteter Fächer: Das begehbare Spiraldach der neuen Oper in Shanghai verbindet den Stadtraum mit dem Huangpu-Fluss.

Nicht nur Hamburg plant ein neues Opernhaus, auch Shanghai steht kurz vor der Vollendung eines kulturellen Meilensteins. Das norwegische Büro Snøhetta, das auch in der Hansestadt als Mitfavorit galt, entwarf gemeinsam mit ECADI ein Gebäude, das weit über seine Funktion als Spielstätte hinausgeht. Das markanteste Merkmal ist das spiralförmige Dach, das sich wie ein traditioneller chinesischer Fächer entfaltet. Gleichzeitig fungiert die Struktur als monumentale Freitreppe: Sie verbindet das Erdgeschoss mit der Dachterrasse und lädt die Öffentlichkeit ein, die Architektur zu begehen und den Blick über den Huangpu-Fluss zu genießen. Unter dieser begehbaren Skulptur beherbergt der Komplex drei Säle. 

6. Waterfront Culture Center

Skulpturale Kegel am Hafen: Das neue Kulturzentrum von Kengo Kuma auf Paper Island zelebriert Kopenhagens Verbindung zum Wasser.

In Kopenhagen entsteht mit dem Waterfront Culture Center von Kengo Kuma & Associates ein weiteres Highlight auf Paper Island. Der Bau, dessen Fertigstellung für 2026 geplant ist, ergänzt das Masterprogramm von Cobe und reiht sich in die Riege architektonischer Ikonen am Hafen ein – neben der Oper, dem „Schwarzen Diamanten“ und dem Blox von OMA. Das Zentrum widmet sich ganz der engen Beziehung der Stadt zum Wasser. Markant sind die kegelstumpfförmigen Dächer, die ohne klassische Hauptfassade auskommen und so die Grenzen zwischen Land und Meer auflösen. Die Architektur fungiert als Vermittler im Raum und schafft durch ihre skulpturale Form ein neues Erlebnis für die dänische Hauptstadt.

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