
Diese kreativen Frauen prägten die Milan Design Week 2026 mit ihren Arbeiten
Mailand im Ausnahmezustand und mittendrin eine Riege von Frauen, die dem globalen Design ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken. Wer durch die Brera schlendert oder die Hallen des Salone del Mobile 2026 besucht, stößt unweigerlich auf die Handschrift visionärer Gestalterinnen, die weit über die reine Formgebung hinausdenken. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Namen wie Maria Porro an der Spitze des Salone oder Patricia Urquiola bei Cassina die ästhetischen und strategischen Weichen der Branche stellen. Dabei geht es weniger um eine Gegenbewegung als vielmehr um eine enorme gestalterische Präsenz, die von Valentina Ciuffis kuratorischem Gespür bei Alcova bis hin zu Nina Yashars ikonischem Nilufar Depot reicht. Ob es die elektrische Energie von Eleonore Cavalli bei Visionnaire ist oder die fast poetische Präzision, mit der Nao Tamura für Porro arbeitet – diese Frauen prägen die Mailänder Tage durch Innovation und eine tiefe Verbundenheit zu Material und Handwerk. Von Bethan Laura Woods barocker Rebellion bis zu Federica Biasis respektvollem Umgang mit dem Erbe großer Häuser zeigt sich in diesem Jahr eine beeindruckende Dichte an weiblicher Exzellenz, welche die Identität der Milan Design Week maßgeblich definiert.
1. Lina Ghotmeh

Die libanesische Architektin Lina Ghotmeh verwandelte den Innenhof des Palazzo Litta während der Milan Design Week in ein begehbares Labyrinth, das weit mehr als nur ein Orientierungsspiel ist. Während die Modemetropole im Messestress versank, schuf die in Paris lebende Planerin eine Struktur aus verschiedenen Nischen für Kultur, Ruhe und Dialog. Mit diesem Entwurf reagiert sie auf eine Welt der ständigen Reizüberflutung. Ihr Ziel war es, einen Ort zu kreieren, der die Lebensfreude sowie die Verbindung zwischen den Menschen feiert. Das Labyrinth dient dabei als bewusste Entschleunigung, die Besucher*innen dazu einlädt, das Tempo zu drosseln und sich intensiv mit ihren Mitmenschen sowie der historischen Umgebung auseinanderzusetzen.
2. Kelly Wheasler

Kelly Wearstler, die Ikone des maximalistischen Interieurs, feierte ihr Debüt auf der Milan Design Week mit einer Premiere für H&M Home. Trotz der Vorgabe, dass jedes Teil modular sein muss, beflügelten diese Grenzen laut Wearstler ihre Kreativität. Die Kollektion umfasst Möbel und Accessoires wie Vasen oder Gläser, die in 28 Märkten erscheinen und ihren unverkennbaren Stil in jedes Zuhause bringen sollen. Ihr Ziel war hochwertiges Design, das für viele Menschen zugänglich ist. Wer die luxuriöse Ästhetik ihrer Proper Hotels kennt, wird ihre Handschrift in diesen Entwürfen sofort wiedererkennen.
3. Marta Sala

Marta Sala gründete ihr Unternehmen vor elf Jahren mit der Vision, eine Plattform für limitierte Design-Kollektionen zu schaffen, die durch architektonische Strenge und handwerkliche Genauigkeit bestechen. Zur Milan Design Week 2026 zeigt sich, dass dieser Plan voll aufgegangen ist. Ein wesentlicher Teil ihres Erfolgs beruht auf der Zusammenarbeit mit anspruchsvollen Expertinnen der Szene. Ihre neueste Kollektion, die in Kooperation mit Herzog & de Meuron entstand, feiert nun Premiere auf der ersten Ausgabe des Salone Raritas. Damit setzt Sala konsequent fort, was sie 2015 begann: exklusives Design, das durch die Handschrift internationaler ArchitektInnen geprägt ist.
4. Sophie Lou Jacobsen
Die New Yorker Glasdesignerin Sophie Lou Jacobsen hat die letzten Monate in Mailand verbracht, um tief in die lokale Aperitivo-Kultur einzutauchen. Ihre neue Kollektion ist eine Hommage an dieses tägliche Ritual, das laut Jacobsen weit über das französische Apéro oder die amerikanische Happy Hour hinausgeht. Unter dem Titel Disco Aperitivo fängt sie den Stil der 1980er-Jahre ein, der bis heute viele der historischen Bars der Stadt prägt. Die Entwürfe spiegeln diese lebendige Tradition wider und bringen ein Stück Mailänder Lebensgefühl in Form von hochwertigem Glasdesign auf den Tisch. Damit schafft sie eine Verbindung zwischen nostalgischer Ästhetik und dem modernen Alltag der Mailänder*innen.
5. Natalia Criado
Seit der Gründung ihres Labels im Jahr 2018 wandelt die in Kolumbien geborene und in Mailand lebende Designerin Natalia Criado auf dem schmalen Grat zwischen Gebrauchsgegenstand und Skulptur. Zur diesjährigen Milan Design Week präsentierte sie eine Zusammenarbeit mit dem Laboratorio Paravicini. Criado faszinierte dabei nicht nur die handwerkliche Präzision, sondern auch die besondere Struktur des reinen Frauenbetriebs. Die Kooperation vereint Criados skulpturalen Ansatz mit der traditionsreichen Fertigung der Familie Paravicini zu einer Kollektion, die das Mailänder Erbe modern interpretiert.
6. Linde Freya Tangelder
6. Linde Freya Tangelder
Die belgische Designerin Linde Freya Tangelder, bekannt unter dem Namen Destroyers Builders, hat eine Ästhetik geschaffen, die durch Zurückhaltung und enorme Präsenz zugleich besticht. Ihr Stil basiert auf einem Materialmix und einer Modularität, die gewohnte Grenzen überschreitet. Zur Milan Design Week 2026 präsentierte sie gemeinsam mit Cassina die Ausstellung Fluid Re-Collection im 10 Corso Como. Die Schau zeigt ihre Möbel und Objekte im direkten Zusammenspiel mit Lichtentwürfen, die seit 2022 in Kooperation mit der italienischen Marke entstehen. BesucherInnen erhalten so einen Einblick in Tangelders Arbeitsweise, bei der Studienmodelle und fertige Stücke eine konsequente gestalterische Einheit bilden.
7. Faye Toogood
Die britische Designerin beweist auf der Milan Design Week einmal mehr, dass sie eine Meisterin darin ist, Ideen in handlichen Formaten zu visualisieren. Besonders charmant sind ihre handgeschnitzten Sofas im Miniaturformat, die als Vorlage für ihre neue Sitzmöbel-Serie dienten. Diese trägt passenderweise den Namen Butter und besteht aus modularen Elementen, die wie Butterblöcke wirken. Doch ihr Talent für das Arbeiten im kleinen Maßstab zeigt sich auch in anderen Projekten: Ob ein kompaktes Bett oder filigrane Experimente aus gefaltetem Papier als Basis für neue Kollektionen – Toogood nutzt Miniaturen als ihr wichtigstes Werkzeug. Durch diese spielerische Herangehensweise macht sie ihre Entwürfe greifbar und zeigt, wie aus kleinen Modellen beeindruckende Objekte für den Wohnraum entstehen.