Exklusive Homestory: So wohnt Julian Daynov in Athen
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Exklusive Homestory: Multitalent Julian Daynov öffnet die Türen zu seinem Athener Refugium

Wie wohnt ein Mensch, der die größten Modehäuser berät und auf Instagram Tausende inspiriert? Julian Daynov öffnet die Türen und seine Wohnung in Athen wird alle überraschen. 
Text Yvonne Dewerne
Datum15.05.2026

In der Fashionwelt ist es schwer am Namen Julian Daynov vorbeizukommen. Der gefragte Creative Director und Stilberater, der unter anderem mit Gucci zusammenarbeitet, sitzt an den Schnittstellen des zeitgenössischen Lifestyles und berät globale Modehäuser und Einzelhandelsketten. Seine Base ist Berlin, aber vor kurzem zog es ihn für ein Pied-à-terre in die Heimat seines Vaters: Athen. Wer Julian Daynov einmal kennengelernt oder online gesehen hat, erwartet Opulenz und Farbe. Umso überraschter wird man sein, wenn man seine Wohnung in der griechischen Hauptstadt sieht. Willkommen im Zuhause von Julian Daynov.

So wohnt Julian Daynoy in Athen

Das neue Refugium von Julian Daynov liegt im Herzen von Kypseli, einem der faszinierendsten und lebendigsten Viertel von Athen. Dieser geschichtsträchtige Stadtteil gilt als Schmelztiegel der Kulturen und zieht mit seiner architektonischen Mischung aus prächtigen klassizistischen Bauten und markanter Bauhaus-Architektur zunehmend die internationale Kreativszene an. Abseits der klassischen Touristenpfade erlebt Julian Daynov hier das authentische, raue Leben der griechischen Metropole. Genau in diesem spannungsreichen Umfeld hat der Designer einen Ort der absoluten Ruhe für sich geschaffen.

In Athen kommt Julian Daynov abseits der lauten Modewelt zu Ruhe

Zwischen Kiez und Kontrasten in Kypseli

Bei der langwierigen Suche nach der passenden Immobilie stand eine unkomplizierte Funktionalität im Vordergrund, da handwerkliche Großprojekte im Ausland oft mit unvorhersehbaren Hürden verbunden sind. „Bei der Wohnung in Athen war es allerdings so, dass ich nicht unbedingt Lust hatte, ein oder zwei Jahre darin zu investieren, jemanden zu finden, der alles abreißt und neu aufbaut“, berichtet der Creative Director von seinen anfänglichen Überlegungen. Die Realität auf dem Athener Altbaumarkt erfordert oft tiefgreifende Modernisierungen, die viel Geduld verlangen. „Trotzdem brauchen viele dieser Wohnungen komplett neue Strom- und Wasserleitungen.“

Julian Daynov genießt den ersten Kaffee des Tages auf seinem Vetsack Sofa

Nach intensiver Recherche erwies sich das gefundene Objekt als echter Glücksfall, der dem Stilberater viel Zeit und Nerven sparte. „Die Wohnung, die ich schließlich gekauft habe, war ein Glücksgriff. Sie wurde vor etwa vier Jahren kernsaniert. Ich wusste also, dass die Essentials und die Funktionalität gewährleistet sind. Das war alles schon erledigt. Die Wohnung hat ein wirklich gutes Karma.“ Neben der soliden Bausubstanz spielten auch die Gegebenheiten der Umgebung eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden. „Mir waren hohe Decken wichtig, die Kernsanierung, eine große Terrasse und dass sie nicht direkt an einer der super belebten Straßen mit durchgehendem Verkehr liegt. Das war alles gegeben. Also dachte ich mir: Los geht’s.“

Visuelle Stille in Latte-Macchiato-Tönen

Hinter der schweren Eingangstür weicht die urbane Dynamik des Viertels einer von Julian Daynov sorgsam komponierten Ästhetik der Behutsamkeit. Die gesamte Wohnung präsentiert sich in einer Palette aus neutralen Farben, die eine einladende Wärme ausstrahlen. Sanftes Beige und cremiges Weiß an den Wänden fangen das mediterrane Tageslicht auf, während tiefe Brauntöne und feine Nuancen von Latte Macchiato bei den Möbeln und Textilien für visuelle Tiefe sorgen.

Diese harmonische Farbwahl erzeugt eine unaufgeregte Eleganz und verwandelt die Räume in eine Oase der Entschleunigung, was im direkten Kontrast zu seinen sonstigen privaten Projekten steht. „In all meinen anderen Wohnungen ist es tatsächlich so: Es gibt viel Farbe, es ist sehr poppig und fast italienisch farbgewaltig, was die Wände angeht“, verrät der Designer. Doch für das griechische Domizil existierte eine völlig andere Intention, die stark von seinem anspruchsvollen Berufsalltag geprägt ist. „Aber in Athen dachte ich mir, dass ich wirklich einen Rückzugsort brauche. Ein kleines Heiligtum, in dem ich mich neu kalibrieren kann, weil ich in meiner täglichen Arbeit von so vielen Farben umgeben bin.“

Die ständige Beschäftigung mit aktuellen Trends und Kollektionen verlangt nach Feierabend nach einem radikalen optischen Ruhepol, um die kreativen Batterien wieder aufzuladen. „Ich entwerfe für vier Marken und bin jeden Tag von Farbexplosionen umgeben. Deswegen war mir wichtig, dass es ein sehr ruhiger Ort ist“, begründet Julian Daynov den Verzicht auf laute Kontraste. Stattdessen setzt er auf ein sanftes, fließendes Farbkonzept, das Geborgenheit vermittelt. „Ein ruhiger Ort mit gediegenen, zurückhaltenden und blassen Tönen. Alles sollte harmonisch und farblich unaufgeregt sein.“ Sogar die Wahl des exakten Wandanstrichs basierte auf einer poetischen Eingebung. „Die Farbe habe ich schließlich nach ihrem Namen ausgesucht: „Segeltuch". Ich fand den Namen wunderschön.“

Offene Räume und emotionale Werte

Die großzügige Architektur der Wohnung spiegelt das persönliche Bedürfnis des Bewohners nach gestalterischer und gedanklicher Freiheit wider. Starr vorgegebene Raumstrukturen oder einengende Flure sucht man hier vergeblich. „Ich lebe gerne in Räumen, die viel Weite bieten. Deshalb versuche ich in jeder Wohnung, so viele Wände wie möglich zu entfernen, um einem Loft-Look nahezukommen. Trenntüren sind bei mir immer offen“, beschreibt der Designer seine Philosophie des Wohnens. Diese Offenheit ist essenziell für seinen täglichen Schaffensprozess. „Ich brauche Raum, um den Kopf frei zu haben für meine Ideen.“

Obwohl Julian Künstler*innen schätzt, hat er diese Bilder selbst gemacht – bis er das passende Werk findet

Im alltäglichen Leben kristallisieren sich schnell bestimmte Plätze heraus, an denen das kreative Arbeiten fließend in entspannte Momente übergeht. „Ich sitze am liebsten am Esstisch, der meistens zum Schreibtisch wird. Und natürlich auf dem Sofa, in das man so richtig herrlich einsinkt. Man kann darin gar nicht gerade sitzen“, schmunzelt er über das gemütliche Möbelstück. Die Perspektiven im Raum sind dabei genau durchdacht. „Vom Sofa aus blicke ich Richtung Esszimmertisch.“

Obwohl die Einrichtung bereits sehr stimmig wirkt, befindet sich die Gestaltung in einem kontinuierlichen Prozess, der sich vor allem auf persönliche Akzente konzentriert. „Im Laufe der Zeit, werde ich noch Kunstwerke aufhängen von Künstler*innen, die ich schätze. Kunst ist für mich eine sehr intime Angelegenheit.“ Trotz der allgegenwärtigen Fülle an hochkarätigem Design definiert Julian Daynov wahren Luxus letztlich nicht über materielle Besitztümer oder exklusive Labels. „Ich bin täglich von Schönheit und Design umgeben. Viel wichtiger sind mir jedoch die Erinnerungen, die in dieser Wohnung entstehen. Ich hänge nicht so sehr an Dingen, obwohl mein Leben von Objekten erfüllt ist. Sobald ich eine Erinnerung im Kopf habe, ist sie für mich wertvoll.“

Nostalgische Objekte von Julians Großmutter erzählen Geschichten von familiärer Verbundenheit

Dennoch existieren wenige, unersetzliche Ausnahmen, die den Kern seiner Familiengeschichte in das neue Athener Leben transportieren. „Es gibt allerdings Stücke von meiner Oma, zu denen ich eine hohe emotionale Bindung habe. Das sind zum Beispiel einige alte Kristallobjekte. Die würde ich auf jeden Fall retten, obwohl sie materiell wohl den geringsten Wert haben.“

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