
Die nächste Generation der Problemlösungen: Einblicke in den RIMOWA Design Prize
In einer Zeit, in der technologische Innovation und gesellschaftlicher Wandel Hand in Hand gehen müssen, setzt der RIMOWA Design Prize ein deutliches Zeichen für die Relevanz des Standorts Deutschland. Zum vierten Mal versammelten sich führende Köpfe der Designszene im Berliner Kulturforum, um Talente zu würdigen, die Design nicht als bloße Oberflächengestaltung verstehen, sondern als Werkzeug zur Lösung komplexer Alltagsprobleme. Der Wettbewerb verdeutlichte, dass die nachwachsende Generation von Gestalter*innen den Fokus verstärkt auf Inklusion, Nachhaltigkeit und soziale Sicherheit legt.
Das Engagement von RIMOWA markiert eine interessante Verschiebung in der Wahrnehmung dessen, was Design heute leisten muss. Während die Marke selbst für handwerkliche Präzision und langlebige Reisebegleiter bekannt ist, nutzt sie diesen Wettbewerb als Seismograph für gesellschaftliche Strömungen. Es geht hier weniger um die Ästhetik des nächsten Luxusobjekts als vielmehr um die Frage, wie Mobilität und Austausch in einer zunehmend komplexen Welt funktionieren können. Die Kooperation zwischen etablierter Industrie und den freien, oft noch unkonventionellen Ansätzen der Hochschulen schafft einen Raum, in dem Relevanz vor reinem Kommerz steht. Dass dabei die Funktionalität – ein Kernwert des Unternehmens – zum Gradmesser für den Erfolg wird, zeigt sich besonders deutlich an den diesjährigen prämierten Entwürfen.

Ein Armband als Brücke zwischen den Welten

Der mit 20.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an Samuel Nagel und Paul Feiler von der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. Ihr Projekt „Nura“ adressiert eine Barriere, die weltweit Millionen Menschen betrifft: die Kommunikation zwischen Gehörlosen und Hörenden. Das System ist als elegantes Armband konzipiert und nutzt EMG-Sensoren, um kleinste elektrische Muskelimpulse am Unterarm zu messen, die bei der Gebärdensprache entstehen. Diese Impulse werden in Echtzeit in gesprochene Sprache übersetzt, während das Gerät gleichzeitig gesprochene Worte des Gegenübers als Text visualisiert. Damit wird ein hochkomplexer technologischer Prozess in ein diskretes, tragbares Accessoire übersetzt.


Schutz für Moore und Klima

Niklas Henning von der Hochschule Magdeburg-Stendal erhielt eine besondere Auszeichnung für den „Paludi Harvester“. Dieses koordinierte Erntesystem widmet sich der ökologischen Herausforderung der Moor-Restaurierung. Um Moore als CO2-Speicher zu erhalten, müssen sie nass bewirtschaftet werden, was herkömmliche Landmaschinen vor unlösbare Probleme stellt. Der Harvester ermöglicht eine effiziente Schilfernte unter extremen Umweltbedingungen, ohne das sensible Ökosystem zu schädigen. Damit bietet das Projekt eine funktionale Antwort auf die Frage, wie landwirtschaftliche Produktivität und Klimaschutz in Einklang gebracht werden können.

Assistenzsysteme für soziale und medizinische Notfälle

Unter den weiteren Finalisten ragt die Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd mit zwei weiteren Ansätzen hervor. Das mobile Assistenzsystem „Compassion Aid“ von Tim Kipper und John Roller wurde gezielt für Rettungskräfte entwickelt. Es bündelt Sensoren für CO2, Licht, Mikrofon und Kamera in einem kompakten Tool, um in unübersichtlichen Gefahrensituationen eine schnelle Lagebeurteilung zu ermöglichen. Ein gänzlich anderes Bedürfnis bedient das Projekt „PIP“ von Jakob Schlenker. Als kleiner, vogelähnlicher Begleiter konzipiert, soll es der Einsamkeit im Alter entgegenwirken. Durch akustische Signale motiviert es zu Spaziergängen und initiiert Begegnungen, sobald zwei Nutzer*innen aufeinandertreffen.


Wenn Gestaltung die Schnittstelle zwischen Mensch und Umwelt besetzt, entscheidet sie maßgeblich darüber, wie wir am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Die prämierten Entwürfe verdeutlichen, dass gutes Design heute keine Frage von Dekoration ist, sondern von Teilhabe. Es geht um die Kraft von Ideen, die technische Komplexität in intuitive Werkzeuge übersetzen und so den Alltag ein Stück barrierefreier oder ökologisch sinnvoller machen. In Berlin wurde sichtbar, dass die nächste Generation von Gestalter*innen die Verantwortung annimmt, nicht nur schöne Dinge zu erschaffen, sondern echte Lösungen für reale Probleme zu liefern. Mit dem RIMOWA Design Prize bleibt Design eine der wichtigsten Ressourcen, um den Herausforderungen der Zukunft mit intellektueller Schärfe und handwerklicher Präzision zu begegnen.