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Homestory: Das zweite Leben einer Oldenburger Stadtvilla – vom historischen Erbe zum modernen Refugium

Manchmal ist die größte Herausforderung die Gestaltung der eigenen vier Wände. Nach Jahren der Planung für andere kehrte Interior Design Consultant, Andreas Bloy, mit einer klaren Vision in seine Heimat zurück, um ein historisches Erbe gegen den Strich zu bürsten. 
Text Yvonne Dewerne
Datum02.01.2026

Ein Interior Designer, der nach Jahren in Stuttgart und Hamburg in seine Heimat Oldenburg zurückgekehrt ist und sich ein Zuhause in einer Stadtvilla von 1907 geschaffen hat: Wir laden Sie ein, die Homestory von Andreas Bloy hinter unserem aktuellen Coverbild der AW Architektur & Wohnen 1/26 zu entdecken. Es ist die Dokumentation einer Rückkehr, die den historischen Rahmen der Villa respektiert und ihn gleichzeitig mit einer persönlichen Radikalität füllt. Dass diese Räume unser neues Titelmotiv zieren, liegt an der konsequenten Umsetzung eines Konzepts, bei dem Andreas Bloy sein eigener Kunde war und sein Motto „Lebe lieber ungewöhnlich“ bis ins kleinste Detail übersetzt hat.

Der Designer als sein eigener anspruchsvollster Kunde

Was passiert, wenn ein Profi die Freiheit hat, ohne Kompromisse für sich selbst zu planen? In diesem Fall entstand ein Ort der Begegnung. Nach Stationen in Stuttgart und Hamburg kehrte der Designer 2020 in seine Geburtsstadt Oldenburg zurück. Sein Ziel: Ein Wohlfühlort, der Raum für „viele schöne Begegnungen“ bietet. Dabei war die Ausgangslage eine solide Basis, aber weit entfernt von der heutigen Vision. Eine Renovierung aus dem Jahr 2007 hatte die Räume in klassisches Weiß, Ahorn und Schwarz-Weiß-Kontraste gehüllt. „Man hätte einziehen können“, so der Designer, „ich jedoch nicht.“ Es brauchte eine radikale Neuausrichtung, um dem historischen Charme der Villa von 1907 eine zeitgemäße, individuelle Seele einzuhauchen.

Andreas Bloy: Zwischen Design-Ikonen und maßgefertigten Details genießt der Planer heute die Freiheit seiner Gestaltung.

Der grüne Faden und der schwarze Boden

Das visuelle Leitthema der Wohnung ist ein mutiges Bekenntnis zur Farbe: Grün. Doch wer hier Monotonie erwartet, wird überrascht. Jeder Raum spielt mit anderen Abstufungen und Nuancen der Farbe, was eine fließende, fast organische Verbindung zwischen den Zimmern schafft. Den dramatischen Kontrapunkt bildet der schwarze Holzboden – eine ungewöhnliche Wahl, die den Räumen Tiefe und eine moderne Schwere verleiht. „Er macht mir jeden Tag viel Freude“, betont der Bewohner. Ergänzt wird dieses Spiel durch ein fugenloses Bad, das als Ruhepol in der Gestaltung fungiert. „Mein Motto ist 'Lebe lieber ungewöhnlich' – und genau das spiegelt sich in jedem Detail wider.“

Das orangefarbene Sofa Gould von Knoll International setzt einen markanten Kontrapunkt zur durchgängigen Wandgestaltung.
Ein Ort für Begegnungen: Der skulpturale Saarinen Tisch und die Tulip Stühle von Knoll bilden das Zentrum für gemeinsame Abende mit Freunden.
Die konsequente Farbgestaltung schafft im Schlafzimmer eine beruhigende Atmosphäre, die den historischen Charme der hohen Wände betont.
Der massive Küchenblock bietet viel Arbeitsfläche und bildet den kommunikativen Ankerpunkt.

Maßarbeit als Kunstform

Ein Highlight der Wohnung sind die baulichen Sonderlösungen, die gemeinsam mit dem Tischler Dirk Lehmann umgesetzt wurden. Lehmann, den der Designer schlicht als „Künstler“ bezeichnet, fand Lösungen für die Tücken des historischen Grundrisses.

  • Der Kleiderschrank: Ein technisches Meisterstück, das eine Nische von nur 45 cm Tiefe nutzt und sich elegant auf 90 cm erweitert, um maximalen Stauraum bei minimalem visuellem Gewicht zu bieten.
  • Das Herzstück: Die Küche mit ihrem massiven Küchenblock ist das Zentrum des sozialen Lebens.
  • Klassiker im Mix: Bewährte Design-Ikonen wie der Saarinen Tisch und die Tulip Stühle von Knoll fügen sich nahtlos in das neue, maßgeschneiderte Umfeld ein.
Millimeterarbeit im historischen Grundriss: Die maßgefertigte Lösung nutzt die Nische optimal aus und schafft wertvollen Stauraum

Mehr als Nachbarschaft: 8 Freunde, 2 Villen

Das Projekt endet jedoch nicht an der Wohnungstür. Das wahre Luxusgut dieser Immobilie ist das soziale Gefüge. Die zwei Villen beherbergen insgesamt acht Wohnungen, in denen acht Freunde leben. Ein großer gemeinsamer Garten verbindet die Einheiten zu einer modernen Kommune. Es ist diese Mischung aus „schöner sozialer Kontrolle“, tiefer Freundschaft und exzellentem Design, die unser neues Cover zu etwas ganz Besonderem macht. Ein Beweis dafür, dass „ungewöhnlich leben“ am Ende bedeutet, genau das richtige Maß an Individualität und Gemeinschaft zu finden.

Die neue Ausgabe der AW Architektur & Wohnen 1/26 ist ab 09. Januar 2026 im Handel erhältlich. 

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