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100 Jahre Fendi: Was hinter dem besonderen Großprojekt Fonderia Fendi steckt

Fendi goes Design
Text Yvonne Dewerne
Datum15.12.2025

Einhundert Jahre sind im Design eine Ewigkeit – und bei Fendi doch nur der Anfang einer ständigen Metamorphose. Seit Adele Fendi 1925 den Grundstein legte, ist das Haus ein Synonym für die Verschmelzung von familiärer Bindung und kompromissloser Handwerkskunst. Es ist kein Zufall, dass Karl Lagerfeld die fünf Fendi-Schwestern einst als die „fünf Finger einer Hand“ zeichnete: Paola, Anna, Franca, Carla und Alda – eine Einheit, die das Haus durch ein Jahrhundert führte. Zum großen Centenary-Jubiläum kehrt Fendi zu dieser Symbolik zurück. Die argentinische, in Mailand lebende Künstlerin Conie Vallese wurde eingeladen, das Erbe der Marke in eine materielle Form zu gießen. Ihr Projekt „Fonderia Fendi“ ist mehr als eine Ausstellung; es ist eine Hommage an die Kraft der Zusammenarbeit und die „Collective Energy“, die das Haus seit 1925 definiert.

Fonderia Fendi: Die Jubiläums-Kollektion aus Bronze, Keramik und Leder

Ein Jahrhundert römische Exzellenz mündet in einem radikalen Experiment. Anstatt bloß zurückzublicken, lässt die Maison in der „Fonderia Fendi“ das Wissen von fünf spezialisierten Ateliers verschmelzen.

Die Poetin der Materie: Conie Vallese

Die argentinische Künstlerin und Designerin Conie Vallese ist eine Grenzgängerin zwischen den Disziplinen. Von ihrer Basis in Mailand aus erschafft sie Werke, die an der Schnittstelle von Skulptur, Design und Schmuckkunst siedeln. Ihr Stil ist geprägt von einer tiefen Sehnsucht nach dem Haptischen: In ihren Objekten bleibt die Spur der menschlichen Hand stets sichtbar, eine bewusste Feier der Unvollkommenheit als Form der Wahrheit. Für Fendi kuratierte sie nicht nur eine Kollektion, sondern ein ganzes Ökosystem aus Handwerk. Mit einem feinen Gespür für Metamorphosen verwandelte sie historische Codes in zeitgenössische Objekte und bewies dabei, dass wahre Eleganz oft in der Weichheit der Form und der Härte des Materials liegt.

Die Visionärin: Die in Mailand lebende Argentinierin Conie Vallese schlägt zum 100. Jubiläum die Brücke zwischen Kunst und Handwerk.

Fünf Ateliers, fünf Materien, eine Vision

Das Herzstück der „Fonderia Fendi“ ist die Kooperation mit fünf der renommiertesten Werkstätten Italiens. Conie Vallese orchestriert hier ein Zusammenspiel der Disziplinen, das an den italienischen Pavillon der Pariser Weltausstellung von 1925 erinnert – jener Geburtsstunde des Art Déco, in der Italien seine handwerkliche Vormachtstellung zementierte.

  • Bronze: In der Mailänder Fonderia Battaglia ließ Vallese Skulpturen aus Wachs zu flüssiger Bronze werden. Es entstanden Stühle und Paravents, an denen gegossene Lilien emporwachsen – eine haptische Symbiose aus Härte und floraler Zartheit.
  • Glas: Die venezianische Legende Barovier & Toso, deren Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, fertigte mundgeblasene Vasen, die florale Texturen und Goldpartikel in ihrer gläsernen Tiefe einschließen.
  • Keramik: Das Officine Saffi Lab schuf modulare Bänke und Podeste, deren Fliesen mit Orchideen-Motiven und dem ikonischen Doppel-F-Logo geprägt sind.
  • Textil: Die Teppichmanufaktur cc-tapis übersetzte Vallese’ Fantasieblumen in weiche, gewebte Landschaften.
  • Leder: In Fendis hauseigenen Ateliers wurde das legendäre Cuoio Romano-Leder verarbeitet. Besonders raffiniert: Der charakteristische Selleria-Stich – ein Erbe von Adele Fendi – findet sich als überdimensionales Detail in den Bronzearbeiten wieder.

Das Licht des „Salotto“: Ein Raum der Optimismus

Betritt man die Welt der Fonderia Fendi, taucht man in eine Atmosphäre ein, die Vallese als „Salotto“ beschreibt – ein einladendes Wohnzimmer, das Geborgenheit ausstrahlt. Die Farbpalette ist eine bewusste Abkehr vom harten Kontrast. Das charakteristische Fendi-Gelb wurde in ein sanftes „Sorbetto“-Gelb transformiert, kombiniert mit einem kühlen „Anice“-Blau. „Ich wollte etwas schaffen, das sich warm, einladend und optimistisch anfühlt“, erklärt Vallese. In diesem blassen, kokonartigen Raum wirken die schweren Materialien wie Bronze und Glas seltsam leicht, fast schwebend. Es ist die visuelle Entsprechung eines Hauses, das seine Wurzeln kennt, aber den Blick fest nach vorne richtet.

Blühendes Glas: Die bei Barovier & Toso gefertigten Vasen fangen florale Texturen und Goldpartikel in mundgeblasenem Murano-Glas ein.

Die Ikone im neuen Gewand: Die Peekaboo Vallese

Keine Retrospektive bei Fendi wäre vollständig ohne die Peekaboo. Die 2008 von Silvia Venturini Fendi entworfene Tasche wurde von Vallese radikal neu gedacht. In einer streng limitierten Edition von nur fünf Exemplaren erscheint die Tasche als wendbares Kunstwerk aus Kalbsleder mit diagonalen Streifen. Das Highlight: Ein handgefertigter Keramikgriff, aus dem eine skulpturale Blüte sprießt – ein Symbol für die ständige Erneuerung des Hauses „Blumen sind Embleme des Wandels“, sagt Vallese. „Sie haben einen Lebenszyklus, sie stehen für Nostalgie und Hoffnung zugleich.“ Genau diese Stimmung prägt das 100. Jahr von Fendi: Ein Moment des Innehaltens, um die Meisterschaft der Vergangenheit zu feiern und die künstlerischen Samen für das nächste Jahrhundert zu säen.

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