Hermès Store in Berlin: Interview mit dem Architekten
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Traumfabrik: Hermès hat in Berlin seine Boutique wiedereröffnet – wir haben uns darin umgeschaut

Nach zweijähriger Umbauzeit hat Berlin eine seiner fantastischsten Luxusadressen zurück. Ein Hausbesuch bei Hermès und ein Gespräch mit dem Architekten des Stores über Kontext, Markencodes und Verweilqualität.
Text Markus Hieke
Datum15.06.2026

Ein Hauch von Paris über dem Ku’damm: Denis Montel vom französischen Büro RDAI gibt uns einen Einblick in sein Schaffen und berichtet, wie er und sein Team den Berliner Hermès-Store in zweijähriger Umbauzeit in einen inspirierenden Ort mit hohem Erlebniswert verwandelten.

Seit über 25 Jahren am Berliner Kurfürstendamm etabliert, ließ Hermès seinen Store umfangreich umbauen und erweitern – Ende Mai feierte das Modegeschäft Wiedereröffnung.

Welchem gestalterischen Konzept folgt das Interieur des neuen Hermès-Store in Berlin?

Alle Hermès-Geschäfte, die wir über die Jahre gestaltet haben, stehen im Zusammenhang mit ihrem jeweiligen Umfeld. Zu den gestalterischen Einflüssen zählen die Stadt oder der Stadtteil, die geografische Verortung, das Klima oder die Kultur. Weil Berlin eine grüne Stadt ist, wollten wir, dass sich etwas Natur im Interieur widerspiegelt. Bei diesem Projekt hatten wir das Glück, mit einer mehr oder weniger leeren Leinwand starten zu können, obwohl das Ladengeschäft seit über 20 Jahren von Hermès genutzt wurde.

Der Store erstreckt sich nun über das Erdgeschoss hinaus bis ins erste Obergeschoss. Wie kam es dazu?

Die erweiterte Fläche sollte uns die Möglichkeit geben, die Berliner Boutique zum Destination Store auszubauen – einem Ort, an dem Kund*innen auf besondere Weise verweilen können. Glücklicherweise haben wir eine wunderschöne alte Wohnung mit traumhaften Stuckelementen an den Zimmerdecken vorgefunden, die völlig im Kontrast zum modernen Erdgeschoss und zur dortigen Fassade aus grauem Naturstein steht. Die Feinheit der Ornamentik war bemerkenswert. Also sagten wir: Der Kontext liegt in diesem Fall nicht draußen, sondern drinnen.

Es gibt Standorte, an denen sie die komplette Fassade umgestaltet haben. In Berlin beschränkte sich Ihre Arbeit rein auf das Drinnen. Gab es für außen strenge Auflagen?

An der denkmalgeschützten Fassade konnten wir nichts verändern. Der architektonische Eingriff findet daher drinnen mit einem Patio statt, der beide Etagen miteinander verbindet. Die Glasdecke wirkt so, als würde der Raum tatsächlich mit Tageslicht erhellt. Für uns war die Einschränkung eine Chance, umso intensiver mit lokalen Künstler*innen und Handwerker*innen zusammenzuarbeiten. Für einen Flur im ersten Obergeschoss haben wir mit einer wirklich großartigen Künstlerin zusammengearbeitet. Setbyol Oh stammt aus Korea und lebt in Berlin, wo sie von Hand fantastische Kronleuchter aus Hanji-Papier herstellt, einem Material, das aus Fasern des Maulbeerbaums gewonnen wird. Eine dieser wolkenartigen Strukturen, die an ein Federkleid erinnern, schwebt unter einer Gewölbedecke mit original erhaltenem Stuck.

Sie sagten es bereits: Bei der Gestaltung sind Sie dem Leitmotiv der Natur gefolgt. Wie zeigt sich das in den Farben, Materialien und Texturen im Geschäft?

Es gibt unterschiedliche Muster, viel Struktur, viele Naturfasern. Sie finden Kunstwerke, Texturen und plastische Dekorationen an Wänden, die von Landschaften und der Natur inspiriert sind. In den Schaufenstern haben wir einen Paravent aus filigranen Holzelementen integriert. Sieht man genau hin, erkennt man, dass es sich um Blattmuster handelt. So ähnlich greifen wir dieses Motiv auch im Raum für Fashion Jewelry und Beauty wieder auf, wo es anhand von Fliesen interpretiert wird. Auch am Geländer des Treppenaufgangs findet sich das Blatt als Gestaltungselement wieder.

Beim Thema Natur erwartet der eine oder die andere möglicherweise mehr Grün. Sie haben sich vorrangig für Gelbtöne entschieden. Warum?

Ich muss gestehen, als wir mit dem Projekt begannen, arbeiteten wir tatsächlich zuerst mit einer grünen Farbpalette und ich erinnere mich, dass wir innerhalb des Teams eine ziemlich lange Diskussion darüber hatten. Denn eigentlich brauchte dieser Ort etwas anderes. Letztendlich ging es uns darum, in Ergänzung zu den vorhandenen Stuckverzierungen die Sonne hereinzuholen. Deshalb ist unsere Interpretation der Natur eher gelb und farbenfroh und kommt fast ohne Grün aus.

Lassen Sie uns über die Bereiche im Allgemeinen sprechen, die die Kund*innen hier entdecken können. Sie sprechen von Metiers. Wie viele davon gibt es und wie sind sie miteinander verbunden?

Ein Rundgang durch das Geschäft ist wie eine Reise zu den 16 Objekt-Metiers von Hermès. Jedes davon hat seinen eigenen Raum mit einer individuellen Atmosphäre und Identität: Damen- und Herrenwelten, Schuhe, Parfum, Beauty, Lederwarenkollektionen sowie Wohn- und Reitsportkollektionen. Man hat das Gefühl, sich innerhalb des jeweiligen Metiers zu befinden, doch zugleich fließen die Räume subtil ineinander über. Die Anordnung der Metiers unterscheidet sich dabei von Boutique zu Boutique. In Berlin befinden sich die Lederwaren im hinteren Teil des Erdgeschosses, daneben der Schmuckbereich. Die Umkleidekabine hier ist großzügig und offen gehalten, sodass man sich frei bewegen kann.

In einigen Projekten werden die Besuchenden über dramatisch geschwungene Treppenskulpturen ins Obergeschoss geführt. Hier geht es eher geradlinig zu. Passt das besser zu Berlin?

Es passt besser zum Raum. Die Bauweise zeichnet sich durch klare und strenge Achsen aus. Entscheidend ist, dass Kund*innen die Treppe wahrnehmen, sobald sie den Store betreten. Sie sollen sich eingeladen fühlen und schließlich auch in den Genuss kommen, unsere sehr schönen Details, wie die mit Leder eingefassten Handläufe, zu erleben.

Welche Details ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Hermès-Geschäfte? Was ist das verbindende Element?

Wir versuchen, in allen Städten eine ganz bestimmte Atmosphäre zu schaffen. Was sie verbindet, ist ein ausgeprägtes Gespür für Qualität und eine ausgewogene Farbgebung. Wir entwerfen auch nicht alle Möbel von Grund auf neu. Zwar bringen wir immer einige neue Designdetails ein, aber das Grundkonzept der Möbel wiederholt sich. Natürlich gibt es ein paar Stilelemente, die man in jedem Hermès-Geschäft wiederfindet. Auf dem Boden befindet sich ein Mosaikmuster, dessen Motiv aus der ursprünglichen Werkstatt in der Pariser Rue du Faubourg Saint-Honoré stammt. Außerdem gibt es an den Decken einige ornamentale Kronleuchter, die sich in den Geschäften wiederholen. Das ist ein kleines, aber sehr starkes Merkmal. Wenn man von einem Store zum nächsten geht, wird man überrascht und fühlt sich dennoch vertraut.

Inwieweit verkörpert jedes Ihrer Hermès-Projekte den Geist der Rue du Faubourg?

Wie ich eben schon andeutete, verwenden wir Codes. Diese stammen alle aus dem Stammhaus in Paris. Eines der wichtigsten Details ist das in den Boden am Eingang eingelassene Emblem, das symbolische „Ex-Libris“.

Seit wann gestalten Sie inzwischen Stores für Hermès?

Ich habe 1999 angefangen, für Rena Dumas zu arbeiten, die Gründerin unseres Büros RDAI. Sie selbst begann bereits 1976, mit Hermès zusammen zu arbeiten.

Seitdem läuft die Zusammenarbeit?

Wir haben seitdem weltweit alle Stores von Hermès gestaltet.

Haben Sie ein Lieblingsprodukt, das Sie mit der Marke verbinden?

Ich mag alle Lederwaren von Hermès, sie sind einfach fantastisch. Aber ich habe ein ganz besonderes Lieblingsstück und das ist ein pastellfarbenes Ledermaßband von Hermès. Was wohl daran liegt, dass ich Architekt bin.

Denis Montel ist Co-Geschäftsführer und Artistic Director des Pariser Design- und Architekturbüros RDAI, aus dessen Feder sämtliche Boutiquen für Hermès stammen.

Denis Montel kam 1999 zu RDAI und ist seit 2009 Artistic Director des Design- und Architekturbüros. Seit 2020 teilt er sich die Geschäftsführung mit der Architektin Julia Capp. Als Projektleiterin begleitete die Architektin Sybil Debu den Berliner Umbau, wie schon bei zahlreichen internationalen Flagship-Stores für Hermès.

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