Eames Lounge Chair: Geschichte und Original erkennen
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Eames Lounge Chair wird 70: So erkennen Sie das Original

Der Eames Lounge Chair steht ganz oben auf der Wunschliste aller Designfans: Edles Schichtholz und feinstes Leder machen ihn zu einem Statement. Doch mit seiner Bekanntheit ist auch die Zahl der Nachbauten gestiegen. Woran lässt sich ein originaler Eames Lounge Chair von Vitra erkennen? Welche Rolle spielen Untergestell, Shock Mounts, Kennzeichnung und Materialien? Wir erzählen die Geschichte der Designikone und zeigen, welche Merkmale ein Original von einer Kopie unterscheiden.
Text Yvonne Dewerne
Datum24.08.2026

Er ist der unangefochtene Star unter den Sitzmöbeln und das ultimative Symbol für zeitlose Eleganz: Der Eames Lounge Chair von Vitra feiert sein 70. Jubiläum. Seit sieben Jahrzehnten verbindet dieser Sessel unvergleichlichen Komfort mit avantgardistischem Design. Doch wie wurde aus einem Experiment mit geformtem Holz ein weltweiter Kultstatus, der bis heute Wohnzimmer, Büros und Museen prägt?

Der Eames Lounge Chair von Vitra mit passender Ottomane als zeitloser Klassiker im Wohnbereich

Die Geschichte des Eames Lounge Chair

Die Wurzeln des Eames Lounge Chairs reichen weit vor sein offizielles Erscheinungsjahr 1956 zurück. Alles begann an der Cranbrook Academy of Art in Michigan, wo sich das Künstlerehepaar Charles und Ray Eames 1940 kennenlernte. Charles, der Architekt, und Ray, die bildende Künstlerin, bildeten die perfekte Symbiose aus Technik und Ästhetik. Ihre Pionierarbeit bei der dreidimensionalen Verformung von Sperrholz vertieften sie während des Zweiten Weltkriegs. Im Auftrag der US-Marine fertigten sie Beinschienen und Flugzeugteile aus Formsperrholz an. In ihrer Wohnung arbeiteten sie dafür mit einer selbstgebauten Presse, der sogenannten „Kazam! Machine“. Diese jahrelange Materialforschung legte das Fundament für spätere Entwürfe: Die Technik, Holz unter Hitze und Druck in organische Formen zu biegen, wurde zum Markenzeichen des Duos.

Ray und Charles Eames revolutionierten mit ihren Experimenten aus Formsperrholz die Designwelt

Vom Baseballhandschuh zum Wohnzimmer-Statussymbol

Die konkrete Idee für den Sessel entstand aus dem Wunsch nach einer modernen Interpretation des behäbigen englischen Clubsessels. Charles Eames formulierte die Vision, ein Sitzmöbel zu schaffen, das die einladende Anziehungskraft eines gut eingetragenen Baseballhandschuhs besitzt. Ein enger Freund des Paares, der Filmregisseur Billy Wilder, lieferte inspirierenden Anschub: Er wünschte sich einen Sessel für seine Drehpausen, der absolute Entspannung bot, ohne an Eleganz einzubüßen. Im Jahr 1956 stellte der US-Hersteller Herman Miller den Sessel mit der Modellnummer 670 und der dazugehörigen Ottomane 671 offiziell in der NBC-Fernsehshow „Home“ vor. Ein Jahr später sicherte sich der Gründer der Schweizer Firma Vitra, Willi Fehlbaum, die Lizenzrechte für den europäischen Markt. Seit 1984 hält Vitra die exklusiven Rechte an allen Eames-Entwürfen für Europa und den Mittleren Osten.

Jeder echte Eames Lounge Chair hat eine Plakette

Eames Lounge Chair: Woran erkennt man das Original von Vitra?

Da der Eames Lounge Chair zu den meistkopierten Möbelstücken der Welt gehört, verlangen Fans nach klaren Erkennungsmerkmalen. Ein lizenziertes Original unterscheidet sich in feinen, aber entscheidenden Details von Kopien:

  1. Der drehbare Fünfsternfuß: Das Original besitzt einen gusseisernen Aluminiumfuß mit genau fünf Ausläufern. Die Ottomane steht auf einem Viersternfuß. Gefälschte Varianten nutzen hier oft falsche Proportionen oder minderwertige Beschichtungen.
  2. Feste Neigung statt Recliner-Funktion: Ein echter Eames Lounge Chair lässt sich nicht nach hinten kippen oder verstellen. Die Neigung ist konstruktionsbedingt fest eingestellt, um den Rücken optimal zu entlasten.
  3. Unsichtbare Befestigung und Shock Mounts: Die Holzschalen sind über spezielle Gummielemente (Shock Mounts) flexibel miteinander verbunden. Es gibt keine sichtbaren Schrauben an den Außenseiten der Furnierschalen. Die Lederpolster sind mit verdeckten Clips in den Schalen verankert und lassen sich leicht herausnehmen.
  4. Material und Maße: Das Original besteht aus drei präzise geschwungenen Furnierschalen (Sitz-, Rücken- und Kopfteil). Die Ausmaße von Sitzfläche und Ottomane sind absolut identisch. Vitra bietet den Sessel zudem in der ursprünglichen Maßeinheit sowie in einer angepassten, etwas größeren Version an, da die durchschnittliche Körpergröße seit den 1950er-Jahren zugenommen hat.
  5. Plakette und Zertifikat: Auf der Unterseite der Sitzschale befindet sich ein Metall-Emblem mit dem Logo von Vitra (bzw. Herman Miller in den USA) sowie ein Echtheitszertifikat.

Konstruktion und Fertigung: Handwerk trifft auf modernste Anpassung

Der Eames Lounge Chair wird bei Vitra bis heute in 47 präzisen Arbeitsschritten überwiegend in Handarbeit gefertigt. Während die ersten Modelle von 1956 aus fünfschichtigem brasilianischem Rio-Palisander bestanden, stieg man aus Artenschutzgründen auf ein nachhaltig angebautes Santos-Palisander sowie siebenlagige Schichtholzschalen aus Kirschbaum, Esche oder Nussbaum um. Auch in der Materialauswahl zeigt sich die kontinuierliche Weiterentwicklung: Neben klassischem Leder bietet Vitra mittlerweile auch nachhaltige Bezüge wie vegane Alternativen oder recycelte Wollstoffe an. So bleibt das Design seiner Linie treu, geht aber fließend mit dem Wandel der Zeit mit.

Warum der Eames Lounge Chair bis heute eine Ikone bleibt 

Der außergewöhnliche Status des Sessels basiert auf einer Balance aus Form, Funktionalität und Geschichte. Er überdauert flüchtige Trends, weil seine Formsprache zeitlos ist und seine handwerkliche Qualität über Generationen hinweg standhält. Als festes Element der Popkultur ist er in Museen wie dem MoMA in New York ebenso präsent wie in Film- und Fernsehproduktionen. Der Eames Lounge Chair ist mehr als ein Sitzmöbel – er bleibt ein Stück gelebte Designgeschichte.

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