Hamburgs beste Adressen für Kunst, Design und Elbe
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Ein inspirierender Streifzug durch Hamburgs Designszene, historische Kontorhäuser und maritime Lieblingsorte

Hamburg ist eine Stadt mit einem besonderen Flow – und vielen Facetten, von rough bis glitzernd. Für die Designerin Jutta Werner, die für ihre handgefertigten Teppiche viel auf Reisen ist, der ideale Ankerplatz. Ein Spaziergang durch ihre Wahlheimat
Datum17.07.2026

Feine Jugendstilvillen, klassische Kontorhäuser und kreativ genutzte Hinterhöfe – in Hamburg liegt alles nah beieinander. Mondänes und Morbides finden sich manchmal nur ein paar Schritte voneinander entfernt, und man kann sich mühelos treiben lassen zwischen Kiez und klassizistischen Fassaden, zwischen exklusiven Grandhotels und öffentlichem seit Jahrhunderten wird hier nah am Wasser gebaut, an Elbe und Alster, die mit ihren Fleeten das organisch anmutende Aderwerk der Stadt bilden.

Jutta Werner ist als Interior Designerin tätig und ihr Label Nomad produziert nachhaltige Teppiche. Ihr jüngstes Projekt: Morph Space Interior im Eppendorfer Weg ist ein Studio für Interior-Planungen und zugleich ein Concept-Store

Für die Designerin und Wahl-Hamburgerin Jutta Werner macht genau das den Flow der Hansestadt aus. Ihren neuen Interior Spot Morph Space hat sie im Sommer im Eppendorfer Weg eröffnet – einer Straße, in der es noch immer eine gute Auswahl an inhabergeführten Cafés, Restaurants und feinem Einzelhandel gibt. „Hamburg kommt mir in vielerlei Hinsicht sehr entgegen“, sagt Jutta Werner. „Dadurch, dass ich berufsbedingt viel reise, kann ich hier zwischendurch Ruhe finden. Ich mag einerseits die Kontinuität hier, dass Dinge einfach so sind, wie sie sind. Und gleichzeitig brauche ich immer wieder frische Impulse für meine Arbeit, lasse mich gern von Kunst und Kultur inspirieren.“

Die historische Fleetinsel-Bebauung sollte Mitte der 1980er-Jahre eigentlich einem Neubau weichen. Wie so oft in Hamburg konnte dies durch ein behutsames Sanierungskonzept und den intensiven Dialog mit der Stadt verhindert werden. Galerien und Gastronomie in und um den Gebäudekomplex bestehen größtenteils bis heute

Ein entscheidender Impuls ging von ihrer Fotoreise 2017 in den Himalaja aus, als sie mitten in grandioser Natur etwas glitzern sah: Zum Bündeln der Ernte auf den Feldern kam ein besonders festes Garn zum Einsatz, hergestellt aus Produktionsresten von Bonbonpapier. Dieser bunte Faden war die Initialzündung für die Idee, daraus einen Teppich zu entwickeln. „Ich war total fasziniert, habe noch während der Reise die ersten Samples weben lassen“, erklärt Werner. Ihr inzwischen mehrfach ausgezeichneter „Candy Wrapper Rug“ ist das Signature Piece einer Teppich-Kollektion, die Jutta Werner für ihre 2020 gegründete Brand Nomad in Indien weben lässt. „Der nachhaltig und fair produzierte Teppich aus Schurwolle und Bonbonpapier verhält sich je nach Lichtverhältnissen unterschiedlich. An Tagen im klassischen Hamburger Grau hat er eine angenehm ruhige Ausstrahlung. Sobald sich allerdings das Sonnenlicht zeigt, fängt er auf betörende Art und Weise an zu funkeln“, sagt die Designerin. Auch im Vitra Haus in Weil am Rhein liegt ein „Candy Wrapper Rug“ – in leuchtendem Sonnengelb und im Sondermaß von vier mal sechs Metern.

Künstlerische Kraft auf der Fleetinsel

Ihre tiefe Verbundenheit mit der Hamburger Kunst- und Kulturszene führt Jutta Werner auf ihre Anfänge in der Stadt zurück. Aus Paderborn kam sie fürs Architekturstudium hierher und zog nach einiger Zeit in WG-Zimmern in ein Loft auf der Fleetinsel – dem historischen Komplex aus Kontor- und Speicherhäusern, der Mitte der 1980er-Jahre von einer Gruppe engagierter Architekt*innen, Künstler*innen und Anwälte vor dem Abriss gerettet und in der Folge mit einem wirklich guten Händchen für Galerien, Gastronomie und kreative Konzepte gestaltet wurde. Die Gegend rund um Admiralitätsstraße, Michaelisbrücke und Herrengraben zieht Jutta Werner bis heute stark an. An der Sfeir-Semler Gallery mit Dependance in Beirut gefällt ihr der interkulturelle Ansatz, den Werner auch in ihren Designs zu berücksichtigen versucht. „Ich liebe aber auch die zahlreichen Galerien in diesem Ensemble, die geballte künstlerische Kraft und die Community, sie ist gut gewachsen und miteinander verzahnt“, sagt sie. „Hier treffe ich alte Bekannte und lerne jedes Mal besondere neue Leute kennen. Eine der Galerien im Hinterhaus ist in unsere ehemalige Wohnung eingezogen – das herrliche Knarzen der Dielen löst bis heute etwas in mir aus.“

Ihren Kaffee trinkt Jutta Werner gern in der Erste Liebe Bar, dort kann man im großen Schaufenster sitzen und wunderbar die Leute auf dem Platz beobachten. Zeitlose Restaurants wie der Marinehof oder das Rialto liefern verlässlich hohe und preiswerte Qualität mit regionalen Produkten. Hier ist sie wieder, die besondere Schnittstelle: Von der Michaelisbrücke und dem Backstein-Charme der Kontorhäuser ist es nicht weit zum Neuen Wall mit seinen schicken Boutiquen internationaler Luxusmarken.

Coole Concept-Stores

Am Neuen Wall befindet sich auch der sorgfältig kuratierte Concept-Store The Wasted Hour, den Jutta Werner denen ans Herz legt, die auf der Suche nach einzigartigen Interiors und nachhaltigen Modelabels sind. „Dieser Store wird extrem passioniert geführt, dafür kann ich mich immer begeistern. Gute Concept-Stores gibt es aus meiner Sicht noch zu wenig in Hamburg“, erklärt Werner. Eine erfreuliche Ausnahme ist für die Designerin der Perle Store am Großneumarkt, der seit Kurzem auch die Rug Collection von Nomad führt. „Darüber habe ich mich sehr gefreut, weil ich die Nähe zur Mode für meine Teppiche sehr passend finde“, so die Designerin. „Ich habe ja auch einen ,Coco Rug‘ im Programm, der aus Fellresten gewebt ist. Das Ergebnis erinnert in seiner Struktur an die Tweed-Kostüme der Stilikone Coco Chanel. Im Perle Store entdecke ich immer wieder interessante französische Labels und individuelle Geschenke. Ich mag auch die hohen Decken im Store, manchmal gibt es hier DJ-Sets, perfekt für eine leichte, gut gelaunte Atmosphäre.“

Die Wirkung von Räumen möchte die Innenarchitektur-Designerin immer weiter erforschen: „Ich glaube fest daran, dass Räume uns in unserem Tun beeinflussen und dass ich über die Gestaltung diese Wirkung aktiv verändern kann. Es hat einen großen Einfluss auf uns, wo wir arbeiten und in welchen Räumen wir uns bewegen. Mir geht es oft so in Kirchen. Das ist natürlich ein einfaches Beispiel dafür, wie man Architektur fühlen kann. Es ist im Grunde eine körperliche Erfahrung.“

Für dieses Erleben geht Jutta Werner regelmäßig auf Recherche, schaut sich Gebäude an auf der Suche nach schönen Ornamenten: „Farben und Muster sind mein Daily Business, ich analysiere sie und arbeite damit. In Hamburg gibt es unzählige öffentliche Orte, die ein Innenarchitektur-Erlebnis bieten, mir fallen zum Beispiel die Paternoster in den Grindelhochhäusern ein. Oder das Brahms Kontor mit seinem imposanten Art-déco-Foyer. Auch einen Blick ins elegant geschwungene Treppenhaus kann ich nur empfehlen.“

Räume und Lebensräume

Eine imposante Treppe führt auch in die Ausstellungsräume des Bucerius Kunst Forums, das in einem ehemaligen Bankgebäude am Alten Wall residiert. Hinter historischer Fassade sind hier nach Plänen des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner vier völlig neu gestaltete Etagen für die Kunst entstanden. Für Jutta Werner ein Ort der Inspiration mitten in der Stadt, genau wie ein paar Hundert Meter weiter der liebevoll kuratierte Coffee-Table-Mags-Shop im denkmalgeschützten Hulbe-Haus von 1911. Alles, was man sich an internationalen Interior- und Indie-Magazinen wünschen kann, hat Gründer Thorsten Keller im Programm. Der Shop gehört zum mit buntem Acrylglas gestalteten Omen Café. „Mein Lieblingsplatz ist der kleine Balkon mit Blick auf das Rathaus, gemütlich wie ein Vogelnest. Und der Kaffee von Chris Balz ist ein Traum“, schwärmt Jutta Werner.

Ein paar Hundert Meter weiter, in den Stadthöfen, befindet sich das Hotel Tortue, in dem die Designerin gern ihre Gäste oder Geschäftskund*innen unterbringt: „Das Tortue hat den Vorteil, dass es sehr zentral in der Innenstadt liegt, in der Nähe zu den teuersten Einkaufsstraßen, aber man hat auch die schnelle Anbindung an den Hafen und die Alster. Ich liebe das französische Flair, die Brasserie und vor allen Dingen die Bar Bleu, für einen Apéro vor dem Ausgehen.“

Von der französischen Küche inspiriert ist auch das Team des Restaurants arc in der Nachbarschaft zu Jutta Werners Morph Space, das den Bogen spannen will zwischen Haute Cuisine und einem jungen, nachhaltigen und zugänglichen Konzept. „Mir gefällt, wie puristisch das Interieur gestaltet ist. Food ist für mich ein interessantes Inspirationsfeld: Gut gemachtes Essen in seiner ganzen Darbietungsform, in welchen Räumen findet Genuss statt, welche Story steckt dahinter, das ist ein großer Inspirator“, sagt Jutta Werner. Sämtliche Zutaten des arc kommen aus der Natur rund um Hamburg.

Öffentliches Grün

Die Natur in und um Hamburg ist für Jutta Werner das absolute Highlight: „Ich finde, das Tolle an unserer Stadt ist, dass wir so viele öffentlich zugängliche Parks haben. Besonders hervorheben möchte ich Planten un Blomen am Dammtor, der viele meiner Tageswege kreuzt und durch seine Vielseitigkeit und die schönen Blickachsen immer eine Bereicherung ist. Ich liebe auch das Grün am Alsterlauf, die Wassernähe, die man überall genießen kann.“

Direkt am Wasser, an der Binnenalster, liegt auch das Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten, dem sich Jutta Werner sehr verbunden fühlt: „Ich bin ein großer Fan von Grandhotels, bin immer wieder beeindruckt von der Berufsethik und der Service-Klasse dieser Häuser. Wenn ich mir etwas Gutes gönnen will, gehe ich in die Bar des Vier Jahreszeiten oder zum Afternoon Tea. Ich mag diese Verlässlichkeit, den Spirit der Jahrhunderte, den man in Grandhotels atmen kann.“

45 Hektar Grün, die St. Pauli mit dem Dammtor verbinden und zum Herumstreifen einladen: Im Planten un Blomen gibt es ein Tropenhaus, eine Eisbahn im Winter und im Sommer abendliche Wasserlichtspiele. Der Park entstand ab 1820 auf der ehemaligen Stadtbefestigung nach Plänen des Kunstgärtners Isaak Altmann

Wie Urlaub in der Stadt

Und dann ist da noch die Elbe, die alles im Fluss hält: „Der Hamburger Hafen ist natürlich in erster Linie ein touristisches Spektakel, dennoch interessiert mich, welche Menschen dort täglich einlaufen: Besuchergruppen kommen und gehen, Feiernde, die noch aus den Clubs auf der Reeperbahn auf die Promenade gespült werden ... Das ist wieder so ein Ort der Übergänge, er verbindet das Portugiesenviertel mit der HafenCity und dem Kiez. 

Ich liebe es, auf den von Zaha Hadid gestalteten Stufen zu sitzen und einfach zu beobachten“, beschreibt Jutta Werner und ergänzt: „Mein Lieblingsabschnitt der Elbe beginnt dann westlich von den Landungsbrücken und dem Fischmarkt an der Großen Elbstraße, wo man sich erst in einer der vielen guten Fisch-Buden stärken kann, dann vielleicht noch einen Besuch im Café Schmidt mit herrlichen Törtchen dranhängt, um schließlich raus aus der Stadt zu radeln, immer entlang des Flusses, bis der Blick langsam weiter wird und der Fluss gesäumt wird von Grün. Das ist wie ein kleiner Kurzurlaub, weitgehend unverbaut, gleichzeitig urban. Das macht was mit einem, wenn du dann plötzlich Sand und Strand hast. Und das ist auch der Grund, warum Hamburg mich immer wieder überrascht!“

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